Monatsarchiv: Februar 2012

Vom Atmen unter Wasser

Eigentlich konnte Simon seine kleine Schwester Sarah nie wirklich leiden. Sie war halt die nervige kleine Schwester, die er gerne losgeworden wäre – als er 7 und sie 3 Jahre alt waren ebenso wie später als Teenager. Jetzt ist er 20 und sein Wunsch hat sich auf die grausamste Art und Weise erfüllt: Sarah ist im Alter von nur 16 Jahren ermordet worden, nachts, gar nicht weit weg von zuhause, nach einer Party.

Das Buch von Lisa-Marie Dickreiter mit dem wirklich grandiosen Titel “Vom Atmen unter Wasser” erzählt vom Leben der Familie Sarahs ein Jahr nach derenTod. Alle gehen unterschiedlich mit dem Geschehenen um. Simon ist ausgezogen und studiert Medizin, Vater Johannes arbeitet und handelt nach dem Motto “The show must go on” – und Mutter Anne landet nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus. Sie hat Sarahs Tod nicht überwunden, ist sogar in das Zimmer ihrer Tochter gezogen, überall hängen Sarahs Bilder und sie kann sich nicht damit abfinden.

Ein Jahr lang hat sie versucht, mit dem Fehlen ihrer Tochter zurechtzukommen. Jetzt will sie es eigentlich gar nicht mehr versuchen. Irgendwie müsse es doch weitergehen, redet Johannes auf sie ein. “Ich will so aber nicht weiterleben!” schreit seine Frau ihn an, sie vergräbt sich in der letzten getragenen Wäsche ihrer Tochter oder redet in Gedanken mit ihr, als sie noch ein kleines Mädchen war. Johannes findet keinen Zugang mehr zu Anne und überlässt es zunehmend Simon, sich um sie zu kümmern.

Das Buch hat mich sehr bewegt und Tränen sind auch geflossen. Kein Wunder, bei der Thematik. Trotzdem kann man es sehr gut lesen, es ist sehr lebensnah geschrieben und man merkt, dass es noch ziemlich neu ist (Leser in 20 Jahren werden sich fragen, wer denn wohl “Pink” ist und ähnliches). Gelegentlich kam ich aber durcheinander, wer gerade mit wem redet – das könnte aber auch Absicht der Autorin gewesen sein. Die Kapitel sind abwechselnd aus Sicht der drei Protagonisten geschrieben und ich muss zugeben, Kapitelüberschriften (wo dann der Name stand) überlese ich häufig.

Auf jeden Fall ist das Buch keine leichte Kost. Dass Eltern ihr Kind verlieren, ist eben wirklich schrecklich und das Leiden der Mutter wird hier wirklich sichtbar gemacht. Ihr beim Zerbrechen zuzusehen, geht wirklich unter die Haut. Simon leidet hauptsächlich unter dem Verhalten seiner Eltern (aber auch er trauert natürlich, aber es ist komplizierter). An einigen Stellen wollte ich ihm zurufen “Nun lass dir das nicht länger gefallen und verschwinde!” Und Johannes will der Situation am liebsten entfliehen, und irgendwie versteht man ihn, aber irgendwie kann man ihn deswegen trotzdem nicht so richtig leiden.

Ich kann das Buch weiterempfehlen. 4 von 5 Sternen vergebe ich wegen einiger sprachlicher Verwirrungen, die ich beim Lesen hatte, und wegen der leichten Distanz, die man trotz allem immer zu den handelnden Personen hat. Man schlüpft nie so ganz rein in die Personen, sondern bleibt immer Zuschauer. Aber ehrlich, sonst wäre das auch wohl nur schwer zu ertragen gewesen.

Dieses Buch möchte ich außerdem im Rahmen der Lesenden Minderheit vorstellen, deren Januar-/Februar-Thema lautet: “Lies ein Buch, welches von einer/m deutschen Schriftsteller/in geschrieben wurde!” Die Linkliste mit weiteren Büchern sollte im Laufe des Tages folgen. Bestimmt wird nach dem Studium davon auch mein Wunschzettel wieder wachsen… ;-)

Übrigens habe ich eben gesehen, dass das Buch in der gebundenen Ausgabe derzeit bei Amazon heruntergesetzt ist und nur 4,99 Euro kostet – wenn das kein Schnäppchen ist, weiß ich auch nicht! :-)

Edit: Hurra, die Liste ist da! Hier gibt’s ab sofort viele Buchtipps, und vielleicht auch Warnungen vor nicht so tollen Büchern? :-)

Ordnung muss sein…

…das weiß Fräulein Ordnung! Ich lese ihren Blog schon von Beginn an und kann ihn nur empfehlen. Und deswegen bin ich mir auch sicher, dass bei dem von ihr organisierten Blogger-Frühstück alles seine Ordnung haben wird. ;-)

Es sind noch ein paar Plätze frei, hat Fräulein Ordnung uns geflüstert! :-) Vielleicht hat ja jemand Lust, Zeit und (was bei der ganzen Bloggeschichte ja häufig fast das wichtigste ist) räumliche Nähe zu Münster? Dann meldet euch bei Fräulein Ordnung. Wir werden gemeinsam frühstücken und anschließend zum DesignGipfel gehen.

Vom DesignGipfel hatte ich vorher noch gar nichts gehört, obwohl ich doch auch länger in Münster gewohnt habe. Aber der erste DesignGipfel in Münster fand im November 2010 statt, da war ich ja schon seit 2 Jahren hier in Düsseldorf. Jetzt habe ich mir Bilder von der Veranstaltung angesehen und bin ganz begeistert. Ein Designermarkt mit vielen frischen, handgemachten Ideen und verrückten wie coolen Produkten, das ganze in der Mensa am Coesfelder Kreuz, ich werde also vermutlich die ganze Zeit an meine liebsten Mensa-Gerichte denken müssen. ;-) Und – wenn ich mir die Bilder so ansehe – ich werde am besten jetzt schon mal anfangen zu sparen, bis zum 21. April sind es noch genau 2 Monate!

Den DesignGipfel gibt es übrigens nicht nur in Münster, sondern auch in Bochum, Dortmund (auch im April) und Osnabrück. Da der Eintritt sehr moderat ist (3 Euro in Münster), lohnt sich ein Besuch bestimmt! Ich bin jedenfalls schon äußerst gespannt und würde mich freuen, den einen oder anderen von euch dort (oder schon vorher beim Frühstück?) dort zu treffen.

Fasten 2012 – Verzicht aufs Verzichten

Aschermittwoch im Büro. Mir gegenüber gibt es einen Aufschrei. “Hey!”, ruft mein Kollege und schaut sich empört um, “wer hat das Bounty auf meine Tastatur gelegt?” Die Kollegin neben ihm kichert ein bisschen. Der Kollege will fasten. Zumindest im Büro.  Aber er wird sabotiert. Liebevoll und neckend, aber sabotiert. Von anderer Seite, vom liebend gern diskutierenden Kollegen, muss er sich rechtfertigen. “Bist du religiös? Wieso machst du das dann?” Und ich sehe, wie er leidet… ;-)

Ich habe mich dieses Jahr entschlossen, ebenfalls zu verzichten. Und zwar – aufs Fasten. :-D Letztes Jahr gab es für mich 7 Wochen nichts Süßes. Das war schwer. Aber ich habe es durchgezogen. Irgendwie hat sich aber nicht so sehr diese Befriedigung eingestellt, die ich erwartet hatte. Auch auf der Waage hat sich das kein bisschen ausgewirkt. Dieses Jahr bin ich ehrlich genug, mir einzugestehen: Ich fand es echt total ätzend. ;-) Ich habe schon öfter gefastet, aber letztes Jahr ging das irgendwie gar nicht.

Ich könnte natürlich auf etwas anderes verzichten. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, momentan so viele große Laster zu haben. Fernsehen? Tu ich kaum. Computer? Ist oft genug aus am Abend. Alkohol? Also ehrlich, das lohnt sich kaum, so wenig, wie ich trinke. Das heißt nicht, dass ich mit meinem Leben hundertprozentig zufrieden bin, aber Fastenzeit heißt ja nun mal Verzicht und darunter fällt eben nicht “ab sofort täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren”.

Also verzichte ich ganz bewusst aufs Verzichten und werde stattdessen versuchen, etwas genussvoller zu naschen. Und nicht bei allem zuzugreifen, sondern bei dem, was ich wirklich mag. Und ich freue mich jetzt schon auf die ganzen Bürogeburtstage im März, die mich letztes Jahr so gemein gequält haben! :-)

München im Februar

Der Besuch bei Von Currywurst zu Weißwurst war das perfekte Freundinnen-Wochenende! Alles, was man in so ein (verlängertes) Wochenende packen kann, war dabei. Und das perfekte daran war, dass ich mich als Besucherin nur so halb touristisch fühlte. Immerhin wusste meine werte Gastgeberin ja schon, wo es langging!

So zeigte sie mir nicht nur die schönsten Schnickschnack-Läden und die Highlights der örtlichen Drogerie, sondern wir streiften auch durch die tollsten Buchläden (ja – ich musste etwas dort lassen, damit mein Gepäck nicht zu schwer wurde. Hüstel. ;-) ). Praktisch, wenn man da thematisch auf einer Wellenlänge liegt. Klamotten gucken brauchen wir beide nicht so dringend. (Wobei wir uns trotzdem im Schaufenster in ein Paar Schuhe verliebt haben. Aber wir sind tapfer daran vorbeigegangen!)

Am schönsten fand ich es, abends in der Wirtschaft zu sitzen. Wir haben lecker gegessen, hervorragendes “Dunkles” getrunken (“Also ich sag dann einfach ‘Ein Dunkles bitte’ oder muss ich das anders sagen?” – “Nee, so ist schon richtig”) und geredet und gelacht. Ich fand es super, wie voll es dort war und wie unterschiedlich das Publikum. Junge Leute, die Karten kloppen (wie man bei uns sagt…), ältere Leute an der Theke, Studentinnen mit Laptop am Nachbartisch, bunt gemischte Fußballbegeisterung hinter uns. Das kenne ich so nicht von zuhause. Wir gehen zwar mal essen, aber dann eben zum Essen. Danach gehen wir wieder nach Hause. Ist natürlich auch günstiger. Und ruhiger. Und man muss sich hinterher nicht noch todmüde nach Hause schleppen, so wie wir. Aber… Trotzdem! :-)

Wir sind wahnsinnig viel U- und S-Bahn gefahren und waren immer schnell vor Ort – und in der Bahn blieb Zeit zum Quatschen oder, später am Tag, Füße ausruhen. Das Tagesticket fand ich mit 5,60 Euro richtig günstig. Und in U-Bahnstationen kann man hervorragend klassische Musik hören, amüsante Passanten beobachten, Faschingskrapfen essen, älteren Menschen beim Fahrkartenkauf helfen und natürlich einen “stechenden Schmerz” im Bein empfinden, der sich dann doch nur als die ausgelaufene Wasserflasche entpuppte.

Wir haben die Stadt per Geocaching durchquert und dabei noch die “Faschingssause” amüsiert betrachtet (für uns als Rheinländer bzw. Ruhrgebietler ausgesprochen niedlich, das ganze). Unterwegs gab es jeden Tag einen anderen Faschingskrapfen und später wärmten wir uns kuschelig im gemütlichen Café auf – bei Pancakes. Gegessen haben wir definitiv nicht zu wenig (und auch die Leberkäs-Semmel durfte nicht fehlen)!

Abends haben wir lecker gekocht und dann noch eine DVD geschaut. Tatort, denn den im Fernsehen haben wir verpasst (auch wenn das ein Polizeiruf war). Dass ich mittendrin eingeschlafen bin, lag nicht am Film. ;-) Denn das war ein netter München-Tatort aus dem Jahr 1985. Das lag wohl eher an der vielen frischen Luft im Schneetreiben und dem vielen Laufen.

Praktisch auch, wenn die Freundin weiß, wo es das beste Frühstück der Stadt gibt (ich behaupte mal, dass es das beste der Stadt war – es war jedenfalls hervorragend) und was man dort bestellt (zum Beispiel eine Rhabarberschorle)! Dort kann man dann nämlich noch quasi als Tüpfelchen auf dem I den letzten Vormittag zubringen, bevor es wieder auf zum Flughafen geht.

Besonders schön finde ich übrigens diese Collage! Ich nenne sie: “Blogger fotografieren Blogger beim Fotografieren für ihre Blogs”. ;-)

Wenn Menschen mit Fernbeziehung …

… ihre Portmonees aufräumen, sieht das ungefähr so aus:

Bleibt nur noch die Frage, wieso ich laut Tickets drei Mal so oft hin- wie zurückgefahren bin? ;-) Ich wäre ja gern dort geblieben – bin ich aber nicht…