Entscheidungen: Taktik oder Herz?

Ich habe noch nie soviel über eine Wahl geredet wie in den letzten Tagen. Ich denke, dass das daran liegt, dass es im Moment vielen Leuten schwer fällt, sich zu einer Entscheidung durchzuringen. Mir auch. Soll ich taktisch wählen, oder soll ich das wählen, was mein Herz mir sagt? Meine Wünsche und Vorstellungen? Soll ich „chancenlos“ wählen? Soll ich das kleinere Übel wählen? Ich weiß es einfach nicht.

Das ist meine erste Bundestagswahl, bei der ich nicht möchte, dass die bisherige Regierung fortgesetzt wird. Ich darf ja noch nicht sooo lange wählen, und so oft wird der Bundestag ja dann auch wieder nicht gewählt – es ist jetzt meine dritte Bundestagswahl. Wie erreiche ich, dass die Koalition an die Macht kommt, die ich mir wünsche? Vermutlich gar nicht. Aber man hat ja als Wähler doch das Gefühl, die Entscheidung liege in deiner Hand. Muss man ja haben. Sonst wäre man völlig desillusioniert und würde gar nicht mehr wählen gehen… Und das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Eigentlich ist mir schon klar, dass es jetzt keine wahlentscheidende Rolle spielt, ob ich Rot oder Grün wähle. Zumal ich mir bei der Erststimme schon sicher bin – da wird taktisch gewählt, es gibt gar keine andere Wahl, sonst könnte ich die Erststimme auch einfach weglassen.

Nun ja, worauf will ich eigentlich hinaus? Es gibt zwei Möglichkeiten: Ich wähle SPD. Ich wähle das kleinere Übel, ich versuche, Schwarz-Gelb zu verhindern, ich riskiere die Fortsetzung der großen Koalition, aber immerhin eine rote Regierungsbeteiligung. Das wäre meine taktische Wahl: Schwarz-Gelb darf nicht kommen, ein Wiedereinstieg bzw. Nicht-Ausstieg aus der Atompolitik wäre für mich untragbar. Oder: Ich wähle die Grünen. Ich stärke die umweltpolitische Stimme, ich gebe Rot-Grün den Hauch einer Chance, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich. Dennoch ist ja auch eine starke grüne Opposition viel wert. Das wäre meine Herzenswahl. Vielleicht wird die SPD dann ebenfalls in die Opposition geraten und bei der nächsten Wahl wieder mehr Chancen haben. Hmm.

Aufschreiben bringt häufig Klarheit und auch ich bin mir jetzt deutlicher darüber im Klaren, was ich wählen sollte. Oder doch nicht? Ich bin hin- und hergerissen. Außerdem fällt mir auf, dass ich fast nur Umweltthemen zur Argumentation gebraucht habe. Nur zur Info: Andere Themen spielen natürlich auch noch eine Rolle. Bei denen kann ich mich aber mit beiden Parteien halbwegs anfreunden, sie taugen daher nicht großartig als Entscheidungshilfe.

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3 Antworten zu “Entscheidungen: Taktik oder Herz?

  1. Also ich entscheide mich fürs Herz, Menschenrechte, Ausstieg aus der Atompolitik, Stark machen für die Umwelt, Bildung, also Grün, obwohl mir da auch was wichtiges im Programm fehlt, nämlich der Volksentscheid.

    Ich hab sonst immer sozialdemokratisch gewählt, aber dann habe ich festgestellt das es keine richtigen Sozialdemokraten mehr gibt, da müssten die schon mal wieder Politiker wie Brand oder Schmidt auffahren.

    Was für mich aber auf keinen Fall in Frage kommt ist Schwarz, Braun oder Gelb, lieber Gruß Regina

  2. Ich glaube, ich wähle gar nicht mehr.
    Ich weiß, ich weiß, da gibt es etliche, die das jetzt auch als falsch einstufen.
    Aber mal ehrlich, das, was unsereiner so wählt, kackt doch sowieso immer ab, das ist auf kommunaler Ebene nicht besser als bei der Bundestagswahl. Ich bin politikverdrossen, das kommt hinzu. Ich als „kleine Frau“ fühle mich genau genommen durch keine einzige Partei angemessen vertreten. Was soll ich da eigentlich wählen?
    Früher stand ich absolut hinter der SPD, aber die sind kein Stück mehr das, was sie mal waren. Grün? Die sind leider nicht wirklich präsent. Und der Rest kommt für mich ehrlich gesagt gar nicht in Frage.

    Ach… seufz.

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