Fastenzeit

In der Küche stehen sie. Große Berge von ihnen. Muffins. Donuts. Berliner. Und nicht einfach irgendwelche Schoko-Muffins. Nein, es sind Blaubeer-Muffins. Riesengroß und duftend.

Nein, ich lasse die Finger von ihnen. Es ist Fastenzeit. Seit noch nicht einmal einer Woche – es kommen noch weitere sechs. Uff. Ich verzichte dieses Jahr auf Süß- und Knabberkram. Weingummi, Chips, Nachtisch. Und Muffins. Sogar Blaubeermuffins. Wieso tue ich mir das an?

Es ist mir noch nie so schwergefallen wie in diesem Jahr. Ich habe schön häufiger auf Süßes in der Fastenzeit verzichtet, oder auf Alkohol. Manchmal sogar auf beides. Dabei hatte ich nie besonders große Probleme. Dieses Jahr ist das anders. Das liegt vermutlich daran, dass hier einfach so viel verfügbar ist. In dieser riesigen Abteilung hat eigentlich ständig irgendjemand Geburtstag (siehe oben). Und ich bin in letzter Zeit dazu übergegangen, bei solchen Gelegenheiten ohne große Hintergedanken zu schlemmen. Ich habe auch weitaus mehr Süßkram eingekauft (und natürlich vernascht) als in vielen Jahren vorher. Meine Waage hat sich nicht gerade bedankt.

Am Rosenmontag hatte ich frei. Zeit, zahlreiche Dinge zu erledigen, denn Karneval hatte ich schon am Sonntag gefeiert (ein Tag im Jahr reicht völlig). Also ging ich unter anderem in die Apotheke. Dort bekam ich einen Schokoriegel geschenkt – nichts dolles, ein Merci war es, glaube ich. Jedenfalls kam ich nach dem Apothekenbesuch zuhause an und fragte mich, wo denn der Riegel sei. Nun denn. Ich hatte ihn schon aufgegessen. Völlig unbewusst.

Das hat mich so irritiert, dass ich beschloss, wieder einmal in der Fastenzeit durchzustarten. Ich verzichte. Und es fällt mir schwer. Aber ich bleibe hart. Weshalb?

Ursprünglich wollte ich bewusster essen. Natürlich dabei gerne auch ein paar Gramm abnehmen, aber das ist nicht der Hauptgrund (denn daran ist mein Süßigkeitenkonsum bei weitem nicht ausschließlich Schuld). Ich will mir beweisen, dass ich es durchhalten kann, wenn ich will. Ich will das natürlich jetzt, da ich es laut in die Welt hinausposaunt habe, auch allen anderen beweisen. Und schließlich und endlich ist der Verzicht in der Fastenzeit ja auch schließlich genau das: ein Verzicht. Ich könnte natürlich sieben Wochen lang auf Rosenkohl, Graupensuppe und Innereien verzichten. Mache ich auch. Sogar 52 Wochen. Aber darum geht es nicht. Es ist ein bewusster Verzicht, der auch mal etwas stören, nerven kann. Um hinterher wieder genießen zu können. Um hinterher wieder zu merken, wie gut es uns eigentlich geht. Und um hinterher stolz auf meine Leistung zu sein. Und wenn ich ein paar Gramm verliere dadurch, möchte ich mich auch nicht beschweren – aber das ist nicht der Hauptanlass.

(Ich habe heute Nacht von Smarties geträumt…)

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6 Antworten zu “Fastenzeit

  1. Bewundernswert. Dafür hab ich kein Durchhaltevermögen. Eine Freundin von mir wollte in der Fastenzeit aufs Lästern verzichten. Hat eine Stunde geklappt wie sie mir heute berichtete. xD Eben besagte Freundin verzichtet aber seit letztem Sommer auf Alkohol. Nicht mal wenn Alkohol mitgekocht wurde geht sie da dran. o.o
    Ich könnte das wohl nicht. Im Moment lese ich das Buch „Du sollst nicht lügen!“, da wurde 40 Tage aufs Lügen verzichtet. Auf jedes Lügen. Selbst kleine nette Höflichkeitslügen wurden gestrichen. Das würde mir schon eher gefallen, aber davor hätte ich wohl Angst 😀

    • Danke. 🙂 So bewundernswert finde ich es gar nicht. Ich glaube, ich kann mich selbst gut disziplinieren, wenn ich es wirklich WILL und es mir wichtig ist. Ich denke dann immer, dass es so schwer doch gar nicht ist. Einfach einen Fuß vor den anderen setzen (das ist sowieso irgendwie mein Lebensmotto). Und wenn man mal einen Umweg geht, muss man den genießen, aber hinterher wieder zurück auf den richtigen Weg…

      Ich habe mal das Buch „Die Bibel und ich“ gelesen, da hat einer versucht, ein Jahr lang streng nach der Bibel zu leben. Das war auch sehr verrückt. Das mit dem Nicht-Lügen kam auch drin vor, natürlich. Sehr amüsant zu lesen, aber nachmachen – hmm… Bei der evangelischen Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ soll man in diesem Jahr auch auf Ausreden verzichten. Also nee, das könnte ich auch nicht!

  2. Also das mit dem „nicht lügen“ hängt mir wirklich massiv nach und ich denke ernsthaft drüber nach. Aber ich werde das Thema auch noch mal verbloggen.

    Na eben, genau das meine ich. Selbstdisziplin. Da mangelt es bei mir vorne und hinten. Die bringe ich erst auf, wenn es wirklich 5 vor 12 ist und ich andernfalls gnadenlos untergehen würde. Und das ist in so Fällen ja nun mal nicht gegeben. Also: Bewundernswert. 😉

    7 Wochen ohne Ausreden. Mhm… ich glaube das tue ich 52 Wochen im Jahr. Zumindest was das bewusste angeht. Ich kann ja leider nicht ausschließen, dass ich mich selbst belüge. Aber wenn man Jahre immer wieder Ausreden benutzt hat um diverse Zustände zu erklären und dann irgendwann erkennt, dass es viel besser ist den Leuten um die Ohren zu hauen wie es einem wirklich geht, dann gewöhnt man sich Ausreden schnell ab. 🙂

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