Im Gottesdienst

Heute haben wir mit unserem Chor einen Gottesdienst mitgestaltet. Es ist kein Kirchenchor, in dem ich singe, daher kommt das eigentlich nur ein oder zwei Mal im Jahr vor. Ich persönlich gehe eigentlich nur Weihnachten in die Kirche, bin nicht getauft und war in der Schule grundsätzlich im evangelischen Religionsunterricht. Entsprechend skurril kommt mir daher immer ein katholischer Gottesdienst vor – auch heute wieder, wo ich von der Empore beste Sicht aufs Geschehen hatte.

Morgen ist Palmsonntag, daher war heute Palmsonntags-Gottesdienst (wieso der nicht morgen ist, hat sich mir nicht ganz erschlossen). Uns wurde also die Geschichte (vermutlich gibt es ein korrekteres Wort dafür) vorgetragen, wie Jesus in Jerusalem einzieht. In verteilten Rollen (wobei ich gerade bei Wikipedia gelesen habe, dass das so üblich ist). Jesus reitet im Übrigen bei seinem Einzug in die Stadt auf einer Eselin UND ihrem Fohlen – so ganz genau konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber da die Leute begeistert „Hosanna“ riefen und Palmzweige warfen, waren sie vermutlich ebenfalls beeindruckt von dieser Leistung. Im weiteren Verlauf der Geschichte, die ja vermutlich jeder kennt, gerät Jesus dann irgendwann vor ein Gericht, das ihn letzten Endes zum Tode verurteilen wird. Da habe ich dann festgestellt, dass Jesus eine ganz coole Sau war. Jedenfalls antwortet er grundsätzlich auf Fragen, ob er der König der Juden sei und ähnliches, mit Sätzen wie „Wenn du es sagst“ oder „Du sagst es“. Auch beim Rest der Geschichte war ich mir unsicher, ob ein heutiger Jesus MICH überzeugen würde. Vielleicht, wenn er dann auch tatsächlich auferstehen würde? Aber das ist jetzt ein vermutlich zu komplexes Thema. Jedenfalls endete die Geschichte mit einem gemeinen Cliffhanger! Vermutlich, damit wir alle auch in die Fortsetzung kommen. Ha, aber zum Glück weiß ich schon, dass es ein Happy End geben wird! 😀 (Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein! Wird es Jesus gelingen, die Wachen vor seinem Grab abzulenken? Wird Petrus wieder aufhören zu heulen? Und WAS hat es überhaupt mit diesem Blutacker auf sich? Nicht verpassen!)

Ziemlich lachen musste ich mal wieder, als der Pfarrer vorn etwas vorgesungen hat und die Gemeinde singend geantwortet hat. Da muss ich immer an einen Freund denken, der auf der Hochzeit eines befreundeten Paares hinter mir stand und uns ins Ohr raunte (im gleichen Tonfall wie der Pfarrer): „Wenn ich meine Zaubersprüche leiere – sind sie doppelt so wirksam!“ Na gut, gelesen kommt das sicher nicht so gut, aber glaubt mir, man muss lachen, wenn vorne wieder mal so ein Mensch vor sich hinleiert…

Zwischendurch bin ich immer wieder erschrocken zusammengezuckt, wenn unser Chorleiter wieder mal unerwartet auf der Orgel ein dramatisches Zwischenspiel einlegte oder die Messdiener wie wild mit irgendwelchen Glocken lärmten (auch hier hat sich mir die nähere Bedeutung noch nicht erschlossen). Besonders amüsant fand ich dann wieder Abendmahl. Erst durften wir diversen Herren und wenigen Damen dabei zusehen, wie sie aßen und tranken. Dabei konnte man den Pfarrer durch sein Mikrofon besonders gut knurpsen hören – lecker! Anschließend war die Gemeinde dran. Sogar zu uns auf der Empore kam jemand, damit auch wir Sängerinnen und Sänger nicht verzichten mussten. Dummerweise war höchstens ein Drittel von uns katholisch und ging nach vorn. Ich fand es sehr abstrus, wie der Kirchenmann jede, wirklich jede der Hostien hochhielt und dem Gläubigen vor sich sagte „Der Leib Christi“. Ganz schön klein übrigens, diese Hostien. (So nah dran wie heute war ich noch nie) Das gibt Mini-Makronen! Unser Chorleiter, der Orgel spielte, war übrigens der einzige, der nichts abbekam. Dabei ist der sogar katholisch. Armer Kerl…

Irgendwann kam noch die Stelle, wo alle sich die Hand schütteln. „Friede sei mit dir“, lautet hier der korrekte Text. Beinahe hätte ich „Frohe Weihnachten“ gesagt. 😉 Aufgefallen…

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8 Antworten zu “Im Gottesdienst

  1. Sehr süß, als jemand, der katholisch sozialisiert ist, und lange lange Jahre Messdiener war, ist so ein Blick von Aussen sehr erhellend. Danke dafür.

    Mir kommen übrigens immer die evangelischen Gottesdienste immer sehr formlos vor.

    Falls Du Interesse hast, erläutere ich Dir deinen Artikel bzw. deine Fragen ausführlich.

    Gruss
    Christian

    • Hallo Christian,

      danke für deinen Kommentar! 🙂 Hoffe, ich habe mit meinem Bericht niemanden vor den Kopf gestoßen. Ich bin immer ganz gern im katholischen Gottesdienst, nur werde ich – wie gesagt – mangels Erfahrung selten ganz schlau draus. Von daher sind Erläuterungen natürlich immer Willkommen.

  2. Huhu!

    Also mich hast du nicht vor den Kopf gestoßen. Wie gesagt, ich fand dieses Aussensicht spannend.
    Der Sonntag beginnt in der katholischen Kirche immer am Vorabend. Warum genau weiss ich nicht sicher. Ich vermute, damit man schon am Samstag abend seiner Pflicht zum Messbesuch nachkommen kann.
    (Im Stundengebet ist das auch so: die Vesper am Samstagabend gehört schon zum Sonntag, daher hat der Sonntag eine erste und eine zweite Vesper). Das heisst auch Sonntag waren Palmsonntagsgottesdienste.

    Die Geschichte ist das „Evangelium“. Und ich habe gerade nochmal nachgeschlagen. Es stimmt, es steht, dass er auf beiden reitet. 😉
    Wenn man grammatikalisch pingelig ist, brachten sie „die eselin und das Füllen und er setzte sich auf sie“ also sie, die eselin.
    Aber deine Idee gefällt mir 😉
    Die Messdiener läuten die Glocken zwei bis dreimal (regional unterschiedlich) die letzten beiden Male sind die Höhepunkte: die Verwandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut.
    Warum jedes Mal gesagt wird „Leib Christi“ kann ich nicht sagen. (Aber ich bin jetzt neugierig und mache mich mal schlau)

    Der Friedensgruß ist zeitlich vor der Kommunion und ja man duzt dann in dem Augenblick wildfremde Leute 😉
    Fragen sind immer willkommen

  3. Der korrekte Begriff lautet :U-Boot-Christ (taucht nur zu Ostern und Weihnachten auf). 😉
    Aus diesem Blickwinkel sind die Messen tatsächlich interessant und oftmals auch ein wenig befremdlich. Da nehmen sich die evangelischen aber auch nichts, finde ich. Und je weiter man nach Süddeutschland kommt, desto befremdlicher wird es zuweilen. Im Tirol saß ich mal bei einer Messe, bei der ich ehrlich froh war, ganz hinten zu sitzen, denn ich hatte Schwierigkeiten, der Choreographie zu folgen.
    Frau Müller

    • Ja richtig, U-Boot-Christ – dazu steh ich! 😉

    • Derzeit bin ich auch fast Uboot-Christ. Aber das wird sich später in meinem Leben wieder ändern. Wie es in Bayern ist weiss ich nicht.

      Ich war mal in Ungarn in einer Messe. Ich habe zwar kein Wort verstanden, aber das war egal, ich wusste ja, was gerade passiert. Und das Vaterunser zum Bespiel kann man ja einfach auf Deutsch mitsprechen.

  4. Mich hat der Titel vom Artikel so abgeschreckt, dass ich erst heute mal gelesen habe… *hust*

    Aber ja… so in etwa ging es mir auch immer. Die Logik hat sichmir nie erschlossen. ^^ Und dabei bin ich selbst katholisch und habe diesen ganzen Zirkus bis zur Kommunion mitgemacht… und seitdem bin ich wohl dann ein gesunkenes U-Boot. Nicht mal über meine Leiche – und die bitte auch nicht! – bekommt man mich da wieder rein…

    Das Vater unser verlernt mal allerdings irgendwie nie wieder… warum das nicht mit anderen dingen klappt würde mich mal interessieren… vllt. ein Wunder 😉

  5. Herrlich, einfach nur herrlich.
    Mir geht es oft genauso, denn ich bin evangelisch und „muss“ durch mein Ehrenamt öfter mal in katholische Gottesdienste, da bin ich jedes Mal ähnlich überfordert wie du.
    Vor allem dieses ewige Aufstehen und wieder Hinsetzen macht mich immer wahnsinnig und manchmal kommt es mir vor als wüssten selbst die Katholiken nicht immer wann sie was machen müssen.

Schreib mir was! Dann freu ich mich!

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