Es kann nicht immer Himbeermarmelade sein

Ich mag Himbeermarmelade. Und ich mag meinen Alltag. Aber manchmal ist mein Alltag keine Himbeermarmelade. Es gibt einfach Tage, die sollen nicht so sein, wie du sie dir gewünscht hast. Da wachst du morgens todmüde auf und stellst fest, dass dein Bus in 10 Minuten abfährt. Du nimmst den nächsten und der hat direkt Verspätung. Natürlich bist du durch die Hektik viel zu dünn angezogen und frierst.

Solche Tage sind nicht toll. Nach Feierabend kommt dein Bus nicht und du musst einen anderen nehmen. Der hält natürlich nicht an deiner Haltestelle und du musst noch ein gutes Stück laufen. Dabei kommst du  selbstverständlich nicht am Supermarkt vorbei, wo du doch noch eben ein paar Kleinigkeiten einkaufen wolltest.

Du willst heute früh ins Bett,weil du ja schon morgens so müde warst. Aber es ist so viel zu tun. Du musst noch dringend Wäsche aufhängen, bügeln, den Antrag für dein neues Bankkonto ausfüllen, zwei Verträge kündigen. Als du die Wäsche aus der Maschine nimmst, stellst du fest, dass die selbstgenähte Tischdecke nicht so recht waschmaschinenfest war. Die Verträge, die du kündigen willst, kannst du partout nicht auffinden. Und dann fällt dir ein, dass du noch zu Abend essen solltest, aber eigentlich hast du da gar keine Zeit für. Dann sitzt du auf dem Boden im Schlafzimmer, vor dir ausgebreitet zwei Ordner (in denen die gesuchten Verträge nicht sind), und siehst dich um. Du siehst die Staubflocken im untersten Regalfach. Du siehst die Socken unterm Bett. Du siehst die Schuhe, die sich im Schlafzimmer langsam auf dem Fußboden ausbreiten.

In solchen Situationen fühle ich mich heillos überfordert. Wo fange ich an? Wie geht es weiter? Ich ringe um Luft, muss da raus, aber die anderen Zimmer sehen leider auch nicht viel besser aus. Ich muss weinen und weiß meine Antwort auf die Frage der Ordnungshüterin: Ich brauche Ordnung, weil ich sonst überfordert bin. Weil mich das angreift und ich weder ein noch aus weiß. Üblicherweise habe ich zwei verschiedene Reaktionen in solchen Situationen: Ich steige aus, mache gar nichts mehr, sage mir „Das ist doch alles nicht so wichtig“ und sehe zum Beispiel stattdessen fern. Oder aber ich versuche, das ganze Chaos zu beseitigen. Und zwar auf einmal. Und gründlich. Dass das nicht klappt, dürfte jedem klar sein.

Heute habe ich anders reagiert. Heute habe ich an diesen Post gedacht und meinen eigenen von hier und mir gesagt: Trotzdem. Ja, es hat etwas nicht geklappt, aber der Alltag kann nicht immer von der Hand gehen wie das Schmieren eines Brots mit Himbeermarmelade. 😉 Also habe ich trotzdem gebügelt. Und trotzdem meinen Antrag ausgefüllt. Die Wäsche ist auch aufgehängt.

Ich weiß, das ist nicht genau, was die Einträge von mir selbst und von Papagena aussagen. Aber das gehört eben auch dazu: Dass der Alltag nicht immer Himbeermarmelade ist. Wir wissen alle, dass es im Alltag auch doofe Tage gibt, die wir am liebsten streichen würden. ABER ich plädiere für ein Wort: Trotzdem. Wir leben im Hier und Jetzt, wir wollen MEHR im Hier und Jetzt leben, also müssen wir auch aufhören, unangenehmes vor uns herzuschieben. Auch mal die saure Gurke essen (ich hasse saure Gurken, denkt euch analog was aus, was ihr nicht mögt), bevor die Himbeermarmelade wiederkommen kann. Wenn ich die ganze Zeit denke „Ich muss die saure Gurke ja noch essen“, kann ich die Himbeermarmelade sowieso nicht richtig genießen.

Ich versuche, mich von den doofen Tagen nicht runterziehen zu lassen. Einen Schritt vor den anderen zu setzen und tun, was getan werden muss. Ohne großes Tam-tam (das Bügeln, das ich eine Woche vor mir hergeschoben habe, war übrigens in 20 Minuten erledigt). Und hinterher? Gibt es Abendbrot. Mit Blaubeermarmelade. Himbeer ist gerade aus.

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