Beschwerdebrief

Lieber Sommer!

Ich dachte immer, wir wären Freunde. Zumindest haben wir uns verhalten wie gute Bekannte. Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn du zu Besuch gekommen bist. Ich habe mich über jeden Sonnenstrahl und jedes Grad mehr gefreut, und ich habe ganz arg aufgepasst, nicht zu jammern, es sei mir zu warm (denn ich hebe mir das Jammern lieber für den kalten Winter auf und mal ehrlich, wer mag schon die Leute, die über wirklich jedes Wetter jammern?). Jedes Jahr warst du da, mal warst du furchtbar heiß, mal nur lauwarm, aber du bist immer eine gewisse Zeit geblieben und dann wieder verschwunden.

Dieses Jahr ist das anders. Was habe ich dir getan, dass du immer nur kurz vorbeischaust und dann sofort wieder abdrehst? Gefällt es dir nicht mehr bei uns? Einen Tag, vielleicht zwei, tust du so, als wäre alles beim Alten. Wir kramen unsere T-Shirts hervor, kaufen Sonnencreme und hängen die Jacken in die Abstellkammer. Wir packen die Kissen für die Balkonstühle aus, holen kiloweise Grillfleisch und Kohle und legen Bier kalt. Und dann? Dann verschwindest du wieder und lässt uns zurück mit grauem Himmel, Regen und völlig unberechenbaren Temperaturen. Mal sind es 13 Grad, mal doch wieder 25, aber der Blick aus dem Fenster ergibt beide Male das gleiche Bild. So wissen wir gar nicht so recht, ob wir jetzt das T-Shirt oder doch die Jacke brauchen – nur die Tatsache, dass die Sonnencreme kaum genutzt im Badezimmerschrank verstaubt, die lässt sich nicht leugnen. Das Grillfleisch liegt seit Wochen im Tiefkühlschrank, denn wenn es einmal schön wird, will man es nicht herausholen – bis es aufgetaut ist, regnet es sowieso wieder.

Die Wetter-App auf dem Handy zeigt in der Wochenvorschau stets traumhaftes Wetter – in ein paar Tagen. Je näher diese Tage kommen, desto schlechter wird die Voraussage (aber „in ein paaar Tagen“ ist es immer gut!).

Es ist ja nicht so, als hätten wir nicht schon einige schöne Tage gehabt. Nein, wirklich nicht, ich habe dieses Jahr schon Röcke getragen und Sandalen und T-Shirts. Aber hey, Sommer. Entscheide dich doch mal. Ich war dieses Jahr auch durchaus schon im Büro und habe unfassbar geschwitzt, weil es viel wärmer wurde als angekündigt. Oder gefroren – weil die Anzeige des Thermometers einfach nicht hinaufklettern wollte bis zu den Zahlen, die die Wettervorhersage mir noch morgens im Bett aus dem Radio vorgelesen hatte.

Dieses Wochenende, lieber Sommer, war doch wohl mal wieder ein Musterbeispiel. Am Samstag hast du uns nicht im Stich gelassen, als wir auf dem Spectaculum waren, strahlte die Sonne vom Himmel. Mehr sogar – sie brannte, und da wir die Sonne lange nicht mehr gesehen hatten und ihre Kraft schon ganz vergessen, holte ich mir prompt einen ziemlich roten Sonnenbrand auf den Schultern. Es war ein wunderbarer Tag, nicht zu warm, nicht zu kalt. Sonntag dann? Hmm, es war immer noch warm, aber es war grau und regnerisch. Ich glaube, Zweck dieser Aktion war es, mich in der Nacht dazu zu zwingen, das Fenster offen zu lassen. So konnte nicht nur die einzige Mücke dieses Sommers in mein Schlafzimmer gelangen (Sonnenbrand und Mücken – das klingt fast nach einem ganz normalen, perfekten Sommer 😉 ), ich wurde auch ständig von den lärmenden Menschen auf der Straße geweckt (was auch immer die Sonntag Nacht um 3 draußen verloren hatten). Dann schaute ich heute früh auf meine Wetter-App und sah eine strahlende Sonne mit einer winzigen Wolke und 25 Grad. Jacke konnte ich also zuhause lassen… Pustekuchen, den ganzen Tag ließ sich die Sonne nicht blicken. Das ganze Spektakel also schon wieder vorbei… Und ich merke nur noch die juckenden Mückenstiche und die schmerzenden Schultern (BH? Autsch! Schultertasche? Jaul!).

Lieber Sommer. Ich gebe dir jetzt noch eine Chance. Du musst gar nicht viel tun. Eine Woche nur musst du durchhalten und uns strahlendes Wetter schenken. Sonne pur, mit einem kleinen bisschen Wind und Temperaturen um die 24 Grad, das würde ich mir wünschen. In der zweiten Septemberwoche, auf Fehmarn, okay? Dann bin ich wieder voll mit dir versöhnt und wir können wieder Freunde sein! Anderenfalls… Nun, du wirst schon sehen, was du davon hast! 😉

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Eine Antwort zu “Beschwerdebrief

  1. Hehe, jawoll! Zeigs dem Bruder!
    Hier hatte es heute 37°. Hätte ich nicht so viel Süßes in mich reingestopft, wäre ich wohl weggeschmolzen. So ist noch genug Masse vorhanden. *g*
    Liebe Grüße von Ellen

Schreib mir was! Dann freu ich mich!

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