Die Weisheit des russischen Goldkettchen-Arztes

Da ich spontan den Dienstagnachmittag frei hatte, bin ich doch schon zum Arzt gegangen mit meinen Kopfschmerzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sie seit Freitag durchgehend gehabt. Ein Termin bei meinem Hausarzt war zum Glück kein Problem. Ich mag meinen Hausarzt. Er ist russischer Herkunft, ebenso wie seine Sprechstundenhilfen. Das hört man ziemlich stark. Er trägt ein weißes Poloshirt, an dem die Knöpfe alle geöffnet sind – man hat herrlichen Ausblick auf seine dichte Brustbehaarung und sein dickes Goldkettchen. Die Haare fehlen ihm dafür auf dem Kopf, und da er zudem ziemlich massig ist, würde ich auf der Straße wohl die Seite wechseln, wenn er mir nachts entgegenkäme.

Als ich das erste Mal bei ihm war, wäre ich am liebsten direkt wieder gegangen. Er sah komisch aus und ich musste mich sehr anstrengen, ihn zu verstehen. Wenn man in einer neuen Stadt lebt, muss man sich seine Ärzte ja erst einmal „zusammensuchen“, und ihn hatte ich ausgewählt, weil ich der Ansicht bin, dass man seinen Hausarzt innerhalb von wenigen Minuten zu Fuß erreichen können muss. Falls man mal todkrank ist. Dann kann man sich immer noch hinschleppen und im Wartezimmer weiterleiden. Besonders wichtig für Menschen ohne Auto, so wie mich. (Die räumliche Nähe hat sich im Falle meiner Blasenentzündungen auch tatsächlich schon bewährt.) Aber wo war ich hier gelandet? In einer kleinen russischen Enklave?

Aber mein russischer Doktor mit dem Goldkettchen bewährte sich und diagnostizierte mit Charme und Können. Er erkämpfte nach meinem Fahrradunfall ein Schmerzensgeld für mich und befahl mir zuhause zu bleiben, wenn er das für richtig hielt und ich trotzdem arbeiten gehen wollte. Er ließ Nachfragen zu und manchmal hatte er lustige Versprecher (einmal sollte ich ein „Missverständnis“ in den Beinen haben; es war dann letzten Endes ein „Missgefühl“ gemeint).

Und auch dieses Mal hat er mich nicht enttäuscht. Er hatte eine gute Idee, auf die ich auch selbst hätte kommen können („Wie alt ist Ihre Brille?“) und besonders nett und sympathisch fand ich seinen Einleitungssatz: „Wenn ich Ihnen heute sagen kann, weshalb Sie Kopfschmerzen haben – dann bekomme ich nächstes Jahr einen Nobelpreis!“ 😉

Achja – faszinierenderweise sind die Kopfschmerzen seitdem weg!

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Eine Antwort zu “Die Weisheit des russischen Goldkettchen-Arztes

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