Liebesdramen vor 15 Jahren

„Ich fühle mich schuldig, weil ich dich immer noch nicht richtig lieben kann. Aber sobald ich beginne, mehr für dich zu empfinden, macht sich Angst in mir breit. Angst, wieder so verletzt zu werden wie schon einmal. Ich will es nicht riskieren, noch einmal so zu leiden. Deshalb meine Distanz zu dir. Ich hoffe, du weißt, wieviel du mir bedeutest. Aber ich muss erst lernen zu verstehen, daß du nicht mehr so bist. Und dann werde ich dich wahrscheinlich auch wieder lieben können.“

Dramatische Worte. Man könnte direkt Mitleid bekommen. Was musste die arme Frau durchleiden? Wieso kann sie den Mann, mit dem sie zusammen ist, nicht so sehr lieben, wie sie es offenkundig möchte? Die Antwort ist: Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Aber ich weiß, dass ich das in mein Tagebuch geschrieben habe. Und zwar am 19. Januar 1996, und das bedeutet, dass ich zu dem Zeitpunkt zarte 11 Jahre alt war und sich meine Erfahrungen in der Liebe auf ein paar „Willst du mit mir gehen?“ und immerhin schon einen ersten Kuss beschränkten.

Beim Blättern in meinen Tagebüchern ist mir aufgefallen, dass ich ein sehr bewegtes Liebesleben hatte. Eigentlich war ich sogar ständig verknallt. Gerne auch alle drei Tage in einen anderen. Oder in zwei gleichzeitig (oh, sehe ich da eine Tendenz für die Zukunft? Hüstel, hüstel). An die Hälfte davon kann ich mich übrigens nicht wirklich erinnern, aber hey, sie haben wenigstens 48 Stunden eine große Rolle in meinem Leben gespielt! 😉

Weil ich das so amüsant fand beim Lesen, will ich euch gerne teilhaben lassen.  Alles Originalauszüge aus meinen Tagebüchern! Und wie war das bei euch so?

8.5.95 (hier bin ich sogar noch 10 Jahre alt!)
„Heute hat mich der S. gefragt, ob ich mit dem K. gehen will. Ich: So’n Quatsch. S.: Nee sach mal, ja oder nein? Ich: Nein!
Heute in der Schule: S: Eh Nele, willste mit dem K. gehen? Ich: Natürlich nicht!
(…) S.: Nur noch eine Frage? Ich (genervt): Ja? S.: Würdest du den K. vielleicht als Freund akzeptieren? Ich: Wenn’s UNBEDINGT sein muss! [Freunde… Wer braucht denn sowas?]
Wir haben uns für morgen in der Eisdiele verabredet. Allerdings glaube ich nicht, daß ein Junge in MICH verliebt sein kann…“

12.7.95 (Um K. war es offensichtlich still geworden – in diesem Eintrag geht es um einen anderen K., der vorher und nachher nie wieder auftauchte)
„K. war da!!! Er hat mir ganz oft zugezwinkert. S. hat TSCHÜSS zu mir gesagt! [Er muss mich tierisch lieben! Ja, der gleiche S. wie im vorherigen Eintrag]

15.11.95 (hier geht es wieder um den ersten K.)
„Seit einigen Tagen fragt Kerstin mich schon, ob ich mit dem K. gehen will. Ich habe gesagt: Das muss er mich schon selber fragen. Hat er getan, da hab ich ja gesagt. [Eine dramatische und emotional packende Beschreibung des Beginns meiner ersten „Beziehung! 😉 ] Ich hör jetzt auf, ich bin so müde!“

Wie mag es nur weitergehen!?

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10 Antworten zu “Liebesdramen vor 15 Jahren

  1. Sehr beruhigend! Als ich meine alten Tagebücher letztens gefunden habe war mir das sowas von unangenehm, dass ich mich an das meiste nicht mehr erinnert habe… aber wenn das anderen auch so ging… gerade wenn man ja SO sehr verliebt war…. wirklich beruhigend 😀

  2. hach ich find sowas toll 😀
    Ich krieg immer Lachkrämpfe wenn ich meine alten Tagebucheinträge durchlese 🙂

  3. Das finde ich echt süß. Und ja, irgendwie war das damals so. Und das war damals ja auch richtig wichtig. Hatte diese Woche Vorschüler bei mir in der Bahn sitzen. Was die für Themen hatten, war ähnlich wichtig 😉

  4. oh das kenn ich, hab hier auch so büchlein liegen wo alle 3 Seiten ein neuer auftaucht *lach* Jaja Jung und so schnell den Kopf zu verdrehen ^^

  5. absolut herrlich… ich habe mich auch sehr gefreut, als ich meine alten tage- und briefbücher wiedergefunden habe. man hat doch schon sehr viele dramen durchgemacht, an die man sich nicht mehr erinnern kann, oder? wobei ich mich nicht so dawsons-cxreek-nachdenklich wie du ausgedrückt habe. bei mir wars eher „ich liebe X über alles. heute hat er hallo gesagt. ich glaube, er liebt mich auch“. übrigens wars bei mir dann auch 2 tage später Y statt X. jetzt weiß ich auch, warum ich seinerzeit in der schule so schlecht war! LG, frau nord

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  10. Ich habe mich herrlich fremdgeschämt, als ich mal in eins meiner alten Tagebücher gelinst habe und es nach 10 Seiten schockiert weggelegt.
    Auf jeder Seite war ich neu verknallt.
    Hihi, gut, dass ich da scheinbar nicht alleine bin. Ich glaube, ich guck da nochmal rein und lese es mal mit einem lachenden Auge 😉

Schreib mir was! Dann freu ich mich!

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