Buchtipp: Wenn die Mondblumen blühen

Zugegeben: Mein aktuelles Buch war ein echtes Kontrastprogramm. Literarisch (es folgte auf den ersten Band von „Game of Thrones“) wie wettertechnisch. Denn während ich gestern auf dem 5-Minuten-Weg vom Bus zum Büro komplett vom Sturmtief Andrea erfasst wurde und anschließend meine Schuhe UND Socken auf der Büro-Heizung trocknete (und meine Jeans hätte es auch nötig gehabt – aber soweit geht es ja dann doch nicht), spielt mein Buchtipp ausschließlich in den Sommermonaten und bei glühender Hitze.

Warm wurde mir sowieso ums Herz, als ich „Wenn die Mondblumen blühen“ von Jetta Carleton las. Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie in Missouri über Jahrzehnte hinweg – angefangen im 19. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre hinein. Matthew und Callie haben vier Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Leonie folgsam und fromm ist, schlägt Mathy über die Stränge und ist nicht zu bändigen. Jessica ist die Älteste, Mary Jo die Nachzüglerin und über 20 Jahre jünger als sie. Das Familienleben spielt sich zwischen Farm und Stadt ab, Matthew ist Lehrer. Das Buch erzählt von den kleineren und größeren Dramen im Familienleben, nacheinander jeweils aus der Sicht eines anderen Familienmitglieds geschildert.

Das Buch ist nicht linear geschrieben, und so steuert es auch nicht auf den einen großen Höhepunkt der Handlung zu. Vielmehr springt es extrem in der Zeit hin und her und so ergänzen sich die einzelnen Abschnitte. Man erfährt immer mehr über die Gedanken, Sorgen und natürlich auch Geheimnisse der einzelnen Personen, und schüttelt man im einen Kapitel noch den Kopf, kann man das Verhalten im nächsten dann irgendwie doch nachvollziehen. Es geht hauptsächlich um Liebe – mit allem, was dazu gehört: Liebe für den verbotenen Mann, Liebe gegen den Willen der Eltern, erste Liebe, Liebe außerhalb der Ehe, schmerzhafte Liebe… Um ehrlich zu sein, die meisten Lieben im Buch enden nicht unbedingt glücklich. 😉 Doch lasst euch jetzt nicht abschrecken von der ganzen Liebe! Man hat nicht das Gefühl, einen Liebesroman zu lesen, und das ist es auch nicht. Es geht eher um das Drumherum selbiger: brennende Gewissensbisse, fabelhafte Familienstreitigkeiten, spontanes Durchbrennen und immer wieder die Frage, wie es dazu kam, dass der Mensch so geworden ist, wie er nun ist. Übertriebene Liebesschwüre oder nerviges Herumgeturtel sucht man glücklicherweise vergebens.

Das Besondere am Buch ist die liebevolle Erzählweise. Es ist nicht kitschig, nicht pathetisch. Es geht einfach ruhig und einfühlsam auf die einzelnen Personen ein, nicht eine von ihnen wird lächerlich gemacht. Die Stimmung ist geprägt von Geborgenheit, Zusammenhalt und einfach Familie, auch wenn es Geheimnisse gibt und natürlich auch Spannungen und Streit. Es war für mich einfach eines dieser Bücher, die dich mit einem warmen Gefühl zurücklassen. Daher kann ich es uneingeschränkt weiterempfehlen!

Was ich außerdem übrigens noch ganz faszinierend fand: Das Buch ist bereits vor 50 Jahren zum ersten Mal erschienen – 1962! (Ein Glück, dass ich dies erst 2012 schreibe!) In Deutschland stand es im Jahr 1964 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und ist dann offenbar etwas in Vergessenheit geraten. Neu aufgelegt wurde es im Jahr 2009. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie zeitlos gute Bücher sein können…

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Eine Antwort zu “Buchtipp: Wenn die Mondblumen blühen

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