Bücher, die bleiben

Es war einmal ein Buch. Dieses Buch gehörte der örtlichen Stadtbücherei, und nun war es für einen kurzen Zeitraum in meinem Zuhause gelandet. Ich las es, und es gefiel mir. Dann gab ich es als brave Bücherei-Kundin wieder zurück und dachte, ich könnte mit meinem Lese-Alltag fortfahren.

Aber nein: Wie das Leben so spielt, wollte mir genau dieses Buch nicht mehr aus dem Kopf. Die Geschichte, die Personen, die Sprache – es hing mir nach und ich verspürte das dringende Bedürfnis, genau dieses Buch noch einmal zu lesen. Nur: Was um alles in der Welt war das für ein Buch? Dies spielte sich ab vor den Zeiten von Blogs oder Lese-Listen, von Online-Wunschzetteln und Internet-Zugriff aufs Bibliothekskonto. Alles, was ich wusste, war: Das Buch war lila. Vorn war ein kleines Bildchen drauf. Es stand im ersten Stock der Bücherei, ungefähr im hinteren Regal in der Nähe der Info-Theke. Und es handelte von ein paar sehr verschrobenen Studenten, die einen Mord begingen.

Nun, es wäre vermutlich das einfachste gewesen, die Bibliothekarin zu fragen, welche Bücher in den letzten Wochen oder Monaten auf meinem Konto ausgeliehen waren. Aber das ist über 10 Jahre her und ich war nicht unbedingt der selbstsicherste Teenager. Also suchte ich die Regale ab, hatte jede Menge Bücher in der Hand, und hoffte die ganze Zeit nur inständig, dass es nicht ausgeliehen sein möge. Und dann – dann war es da! In meiner Hand hielt ich DAS Buch. Es war lila. Und vorn war ein kleines Bildchen drauf. Es war Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Und auch beim zweiten Lesen ließ mich das Buch nicht los.

Irgendwann fand das Buch auch seinen festen Platz bei mir im Regal. Meine ganz eigene „geheime Geschichte“, sozusagen. Ich war etwas betrübt, dass das Buch nicht mehr mit lila Cover mit kleinem Bildchen gab (um ehrlich zu sein, finde ich das Cover auch jetzt nicht bei den älteren Ausgaben im Internet. Vielleicht war es unter einem Schutzumschlag, den die Bibliotheken ja gern abmachen? Wobei ich schwören könnte, es hätte sich um ein Taschenbuch gehandelt.) – das neue Cover ist nicht so mein Fall. Aber das gute alte Sprichwort „Don’t judge a book by its cover“ gilt hier wohl im wahrsten Sinne des Wortes.

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Im Laufe der Zeit habe ich das Buch jetzt schon viele Male gelesen. Ich habe es weiterempfohlen, verliehen. Die ersten Seiten fallen schon heraus. Ich habe mehr als einmal angefangen, eine eigene Geschichte zu schreiben – hochinspiriert von diesem Buch, von diesen ungewöhnlichen Charakteren, dieser einzigartigen Atmosphäre. Leider bin ich nicht so gut im Geschichten schreiben und beim späteren Durchlesen fiel mir regelmäßig auf, dass ich dieses Buch nicht nur in Stil und Stimmung nur schlecht kopieren konnte. Auch meine Charaktere wurden immer nur ein ordinärer, unsympathischer und schlechter Abklatsch der distinguierten, etwas distanzierten Figuren aus dem Buch – das muss man schließlich auch erst mal können. Also: Kein Bestseller aus meiner Feder.

Stattdessen steht das Buch bei mir im Regal und wird als eines der wenigen Bücher immer und immer wieder herausgenommen. Manchmal, wenn ich wenig Zeit habe, schlage ich es einfach irgendwo auf, lese ein paar Seiten (oder ein paar Kapitel…) und stelle es dann wieder weg, mit einem seltsam zufriedenen-vertrauten Gefühl. Wirklich ein Buch, das bleibt – und das ich euch mit absolut gutem Gewissen empfehlen kann. Spontan fallen mir hier nur wenig Bücher ein, die einen ähnlichen Stellenwert einnehmen. Vielleicht stelle ich die auch noch mal vor. „Die geheime Geschichte“ wollte ich euch aber unbedingt ans Herz legen, denn die meisten Leute, denen ich davon erzähle, hatten noch nie etwas davon gehört.

(Und wenn ihr auch so ein Herzensbuch habt, empfehlt es mir jetzt! Ich muss zwar noch die Bücher-Challenge schaffen und habe außerdem Konsumfasten – aber ich habe ja einen Wunschzettel, in 3 Monaten Geburtstag und ein gutes Gedächtnis! 🙂 )

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16 Antworten zu “Bücher, die bleiben

  1. Also von diesem Buch habe ich noch nie gehört und ich muss sagen, das Cover würde mich jetzt nicht zum Kaufen animieren 😉 Aber ich schau es mir mal bei amazon an. Dich hat es ja echt gefesselt.
    Ich habe eigentlich kein Buch, welches „das EINE Buch“ für mich ist.
    Ich kann dir aber absolut die Rosen-Trilogie von Jennifer Donnely ans Herz legen. Hier hatte ich schon mal etwas darüber geschrieben: http://goldengelchen.blogspot.de/2012/01/buchdonnerstag-5-042012.html
    Erst letztens habe ich noch Teil 1 einer Kollegin geliehen, die sich dann prompt alle 3 Bücher gekauft und innerhalb kürzester Zeit verschlungen hat.
    Das Kissen gefällt mir übrigens – selbst genäht?

    Ist ja lustig, dass ihr öfters bei mir in der Gegend seid! Den Eltenberg sieht man übrigens auf dem einen Hochkant-Foto mit dem Blick auf den Pritz-Moritz-Kanal!

    Also wir sind selbst nicht so die Cacher, aber der Bruder meines Freundes macht in seiner Freizeit glaube ich nichts anderes 😉 Und so gehen wir dann schon mal mit, wenn bei irgendwelchen Familienfesten o.ä. alle versammelt sind. Dieser eine Cache, den ich im Nebensatz erwähnt hatte, war ein Nachtcache. Ich weiß nicht wie er heißt, aber wenn du danach suchen willst, hier ein paar Anhaltspunkte:
    Der Cache ist ein Multi zum Thema Harry Potter, man ist ca. 4 Stunden unterwegs, man benötigt Taschenlampen, UV-Licht und Laserpointer und dies ist quasi der Startpunkt (wo man das Auto parken kann): http://goo.gl/maps/HgSxX
    War auf jeden Fall ne coole Sache!

    Viele Grüße, Goldengelchen

    • Deine Bücher habe ich mir direkt mal auf die Lese-Wunschliste bei Amazon gesetzt! 🙂 Historisches lese ich auch sehr gern.

      Ich hatte übrigens überlegt, ob das der Eltenberg auf dem Foto ist! 😉 War mir aber nicht sicher. Genau am Fuße des Bergs liegt unser Häuschen (an der Wild).

      Das Kissen ist selbst genäht, aber schon vor einiger Zeit. Das sieht man auch, denn der Held zerknautscht immer sämtliche Kissen um ihn herum ganz ordentlich. 😉

  2. Vielen Dank für die Buchempfehlung – ich bin jetzt neugierig es zu lesen! 🙂 Mir ging es früher einmal so ähnlich mit dem Buch von Markus Werner („Am Hang“). Es ist sehr kurz, aber am Ende wollte ich es damals immer sofort noch einmal lesen. Vielleicht sollte ich es auch mal wieder aus dem Schrank holen…

    Liebe Grüße
    Kathrin

  3. Mir geht es so mit 2 Büchern:

    Die Säulen der Erde von Ken Follett

    und

    Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling

    Das erste Buch habe ich auch zum ersten Mal aus der Bücherei entliehen und musste es ganz schnell haben. Da kann ich auch immer wieder drin lesen und versinken. Die Serie im TV war gruselig (meiner Meinung nach) und hat das Buch nicht wirklich wieder gegegeben.

    Und den Kerkeling: Ah, er schreibt so schön, so leicht und ich gehe dann immer ein Stück des Weges mit ihm. Und weil ich das Thema so interessant finde, habe ich Bücher anderer Autoren, die sich auf den Weg gemacht haben, gelesen. Es ist spannend, die unterschiedlichen Sicht- und Reiseweisen zu lesen, aber Hape Kerkeling bleibt mein Favorit 😀

    • Die Säulen der Erde, ganz großer Roman, kann ich dir zustimmen. Umso enttäuschender dann „Die Tore der Welt“ als Fortsetzung, ich hatte den Eindruck, Follett hätte einfach mal die Namen und Jahreszahlen ausgetauscht und die gleiche Geschichte noch einmal erzählt.

      „Ich bin dann mal weg“ habe ich letztes Jahr gelesen. Ich fand es nett geschrieben, aber bin nicht so überschwänglich begeistert. Einmal hat mir da gereicht und ich habe das Buch unauffällig bei den Schwiegereltern im Regal stehen lassen, als wir ausgezogen sind! 😉 (Um das alte Platzproblem hier zu bekämpfen, nicht weil ich es so schlecht gefunden hätte!)

  4. Bei mir ist es „Barbara Wood – Sturmjahre“. Ich komm davon nicht los und habe es mehrfach gelesen. Manchmal ziehe ich das Buch aus dem Regal und lese es quer. Leider verdrehen viele Menschen bei Barbara Wood die Augen.

    • Na dann musst du’s mir mal ausleihen! 🙂 Lass sie die Augen verdrehen, ich kann mir schon gut vorstellen, wen du da meinen könntest. Zum Beispiel vielleicht einen gewissen Buchhändler-Freund? 😀

  5. Oh Mann, beim Lesen deines Beitrages erinnerte ich mich wieder an den Titel bevor du ihn genannt hast. Ich habe es auch zwei oder dreimal gelesen. Ich habe aber keiner Ahnung mehr, wo ich da dran gekommen bin..
    Danke für die Erinnerung daran…
    Ich sollt es evtl auf meine Amazonliste setzen…

    Gruß Christian

  6. Die geheime Geschichte ist letztens auch in mein Regal gewandert, nachdem ich bei Die lesende Minderheit eine gute Rezension gelesen habe. Bisher bin ich noch nicht dazu gekommen es zu lesen.
    Es gibt wenig Bücher, die ich immer wieder in die Hand nehme. Ich les leiber was neues, als etwas, das ich schon kenne.

  7. Bei deiner Beschreibung „lila Buch mit kleinem Foto“ habe ich an „Die Musik der Wale“ von Wally Lamb gedacht. Auch ein Buch, dass eine ähnliche Geschichte hat wie deins… Jetzt steht es endlich in meinem Regal und obwohl ich nie wieder reingeguckt habe. Die Geschichte lebt ab und zu in mir auf und dann ist es gut zu wissen, dass es da ist. 🙂

    Liebe Grüße
    Steph

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