…die schwarz-weiß-grüne Fahne in der Hand!

Als Kind/junger Teenie war ich großer Fußballfan. Ich weiß gar nicht mehr so recht, wie das passiert ist – in der Familie gab es eigentlich keine besondere Begeisterung für Fußball, aber in der Schule war das Thema ganz groß. Jedenfalls sammelte ich zusammen, was ich mir so leisten konnte. Auf jedes T-Shirt, jede Mütze mit Vereinslogo war ich äußerst stolz, der Schal hing mir fast ständig um den Hals und das absolute Highlight war das schönste Trikot aller Zeiten, das irgendwann unter dem Weihnachtsbaum lag. Ich habe es heute noch. Im Stadion war ich in dieser ganzen Zeit glaube ich ganze zwei Mal – aber jedes Spiel habe ich am Radio verfolgt, die Zeitungsartikel ausgeschnitten und an meine Zimmerwand gehängt (!) und emotionale Tagebucheinträge darüber verfasst.

(Achja, und ich kann heute noch darüber schimpfen, dass Michael Tarnat vom FC Bayern damals im DFB-Pokalfinale vor 15 Jahren unseren Stürmer Bachirou Salou fies foulte und deswegen, nur deswegen der MSV verlor, obwohl er zur Halbzeit schon 1:0 führte und eindeutig besser war. Jawollja, so war das! Das hat uns Duisburger so stark traumatisiert, dass es Leute gibt, die darüber heute noch bei YouTube Videos hochladen.)

Irgendwann flaute meine Leidenschaft für den Fußball aber ab – ich war wohl zu sehr mit Schule, der großen Liebe und anderen Dingen beschäftigt. Geblieben ist eine gewisse Sympathie für den Sport und das Gefühl, immer ein bisschen zur Heimatmannschaft halten zu müssen. Womit ich nicht nur meine alte Heimatmannschaft von damals meine, sondern meine stets aktuelle. Und so freue ich mich über jeden Sieg vom MSV Duisburg, der Fortuna aus Düsseldorf und jetzt eben Preußen Münster, obwohl das alles nicht so die Top-Vereine sind.

Ein Freund von uns hingegen geht regelmäßig zu Preußen ins Stadion. Für die DFB-Pokalspiele bekam er Tickets von der Arbeit und so waren auch der Held und ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in einem Fußballstadion zu Besuch! Beim ersten Spiel vor einigen Wochen klappte das ganz hervorragend und Preußen Münster besiegte den FC Sankt Pauli mit 1:0, was zur Folge hatte, dass wir diese Woche wieder zu einem Spiel durften: Preußen Münster spielte wie schon im letzten Jahr in der 2. Runde gegen Augsburg.

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Also fix ins schwarz-weiß-grüne Outfit geschmissen und auf ins Preußenstadion! Tatsächliche Fan-Artikel besitze ich leider keine, aber da Grün eine meiner Lieblingsfarben ist, bestand zumindest bei der Kleidung genügend Auswahl.

Dieses Mal lief es nicht so rund wie beim letzten Spiel. Auch wenn wir vor dem Anpfiff noch guter Dinge waren:

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Hinterher sah das mit den großen Pappschildern übrigens so aus. Ich war ja wie schon beim ersten Mal fasziniert von dieser Fan-Choreographie, die zum Einlauf der Mannschaft ins Stadion gestartet wurde. Plakate bzw. beim letzten Mal Fahnen wurden verteilt und vorn auf dem Zaun saß dann ein Megaphon-Mensch und wies uns an, wann wir die Dinger hochhalten mussten und wie lange. Ich habe ein Video gesehen vom letzten Mal (von diesem Mal habe ich keins gefunden) und es sah wirklich toll aus, man selbst sieht es ja leider nicht! Darüber, dass so etwas ja vorbereitet und koordiniert werden muss, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, wenn ich Fans im Fernsehen gesehen habe. Aber es wird gemacht, und zwar nicht vom Verein, sondern von Fans.

Diese Fans waren es dann auch, die während des Spiels richtig Stimmung verbreiteten. Leider waren sie in der absoluten Minderheit. Natürlich war beim DFB-Pokalspiel das Stadion viel, viel voller als sonst – wir beispielsweise waren ja auch absolute Newbies und sind sonst nie da. Und so standen eben die meisten Besucher um uns herum und guckten. Ich fand es ganz, ganz furchtbar. Rechts von uns die Ultras, die durchgehend vom Anfang bis zum Ende sangen, Fahnen schwenkten und ihre Mannschaft anfeuerten. Na gut, zwischendurch stieg auch ein bisschen grüner Rauch auf und es wurden Ermahnungen über die Lautsprecher abgegeben. Aber das war immer noch hundert mal besser als die Menschen links von mir, die wie Fische waren und nicht einmal mitgebrüllt oder gesungen haben (und es sah ehrlich gesagt sehr cool aus).

Es ist nicht so, als hätte ich die Lieder vorher gekannt. Aber nach 2-3 Wiederholungen kann ich mir durchaus merken, dass wir gerade „Ale, ale, Preußen Münster ale“ rufen oder zum 100. Mal wiederholen „Wir ziehen durch das Land, wir ziehen durch das Land, die schwarz-weiß-grüne Fahne in der Hand“. Stattdessen wurde sich um mich herum darüber beklagt, dass man wegen der Fahnen gelegentlich nicht alles vom Spiel sehen konnte. Ähm. Hallo? Wir sind im Stadion? Da schwenkt man Fahnen, singt und grölt? Wer jede Minute sehen will und zwischendurch eine Nahaufnahme und Zeitlupe braucht, sollte sich das Spiel vor dem Fernseher angucken. Ins Stadion gehe ich wegen der Atmosphäre. Meine Meinung jedenfalls.

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Natürlich hat Preußen Münster an diesem Abend auch 0:3 verloren, was der Gesamtstimmung sicherlich nicht zuträglich war. Aber auch beim letzten Spiel war ich jetzt nicht unbedingt berauscht von diesen „Fans“. Dieses Mal stand ich aber wirklich da, sang als einziger weit und breit lauthals mit den Ultras mit und beschwerte mich zwischendurch beim Helden über die mangelnde Begeisterung um mich herum… Ich fand es einfach deprimierend. Der Held meinte schon, nächstes Mal gibt er mich einfach vor Spielbeginn bei den Ultras ab: „Hier, die Kleine möchte auch mal mitsingen!“ Die waren aber auch wirklich die einzigen, die richtig Stimmung gemacht haben!

Kurz habe ich hinterher mit dem Gedanken gespielt, jetzt häufiger zum Fußball zu gehen. Mir macht das Anfeuern im Stadion wirklich sehr viel Spaß und die stummen Fisch-Fans sind ja sicherlich bei den normalen Ligaspielen sowieso nicht da, und so eine kleine Mannschaft kann jeden Unterstützer gebrauchen. Aber sind wir mal ehrlich, auch wenn ich da durchaus in Euphorie verfallen kann, so finde ich es tief in meinem Herzen doch immer noch etwas seltsam, Spielern zuzujubeln, die nach einem Jahr sowieso wieder weg sind, und unfassbar unkreative Schmäh-Schlachtrufe wie „Scheiß Sankt Pauli!“ wollte ich schon beim letzten Mal nicht mitbrüllen. Daher bleibe ich bei meiner anderen Freizeitaktivität: Beim Chor darf ich auch singen, jede Woche, und werde zwischendurch nicht davon unterbrochen, dass ein Tor gefallen ist. 😉

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