Buchtipp: Die Flüsse von London

Als ich das Buch „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch zum ersten Mal im Laden liegen sah, war ich direkt interessiert. Ich finde nämlich, das Cover ist wirklich sehr ansprechend gestaltet. Allerdings reichte mir ein Blick auf die kurze Inhaltsangabe, und ich war nicht mehr so motiviert. Kurz gesagt geht es um einen Polizisten, der feststellt, dass er zaubern kann und dann in die entsprechende Abteilung bei der Londoner Polizei versetzt wird. Dass diese Abteilung bis dato nur aus einer Person bestand, ist da schon fast nebensächlich.

Mir kam es vor wie eines dieser unzähligen Young Adult-Fantasy-Romane, die im Moment wie Pilze aus dem Boden sprießen. Häufig halt auch wie ungenießbare Pilze. Ich bin jedenfalls nicht der riesige Young Adult-Fan, auch wenn gewisse Ausnahmen die Regel bestätigen. Solche Bücher habe ich gern gelesen, nun ja, als ich auch noch der entsprechenden Zielgruppe angehörte. Mittlerweile bleiben diese Bücher häufig gerade sprachlich hinter meinen Erwartungen zurück (Tipps, die mich eines besseren belehren, nehme ich gern an)!

Jedenfalls fiel mir vor kurzem aber doch noch mal „Die Flüsse von London“ in die Hände, und zwar als Ebook. Naja, wieso nicht, und ich begann zu lesen. Und: Ich war begeistert!

Fragen Sie mich bitte nicht, woher ich weiß, wie ein Smokingjackett aus der Zeit König Edwards aussieht – sagen wir einfach, dass es etwas mit Doctor Who aus der TV-Serie zu tun hat, und belassen wir es dabei.

So ein Zitat schon im ersten Kapitel lässt natürlich mein kleines Fan-Herz höherschlagen. Ich habe dann übrigens noch herausgefunden, dass der Autor Ben Aaronovitch auch schon ein paar Who-Folgen Ende der 80er Jahre geschrieben hat. 🙂 Aber keine Sorge, das ist die einzige Erwähnung dieses Themas.

»Lassen Sie mich raten, Sir: Gleich werden Sie mir erzählen, dass es eine geheime Einheit der Met gibt, deren Aufgabe darin besteht, Geistern nachzuspüren, oder Gespenstern, Dämonen, Feen, Hexen, Hexenmeistern, Elfen, Trollen …« Ich hob beide Hände. »Sie dürfen mich ruhig unterbrechen, mir fallen sowieso gerade keine übernatürlichen Wesen mehr ein.«

»Sie haben nicht mal einen Bruchteil von dem aufgezählt, was es gibt«, sagte Nightingale gelassen.

So ist es also, der junge Constable Grant wird in diese geheime Einheit aufgenommen. Und von nun an geht es hoch her: Er lernt zaubern, trifft die Göttin der Themse, entdeckt Vampire im Keller, hinterfragt und untersucht den ganzen Magie-Kram wissenschaftlich und muss ganz nebenbei noch eine Mordserie aufklären.

Und genau das ist das einzige, was ich am Buch zu bemängeln habe: Zu viel Story auf zu wenig Platz. Vieles wird nur angekratzt, oder ist eine Nebenhandlung, die eigentlich für die Geschichte gar keine Rolle spielt. Zusätzlich zu den oben genannten Themen müssen ja schließlich auch noch die Personen eingeführt werden (es soll schließlich eine Serie werden) und eine obligatorische kleine Liebesgeschichte darf auch nicht fehlen. Und so hätte ich mir manches ausführlicher gewünscht, während ich auf andere Szenen genauso gut hätte verzichten können. So fehlt manchmal der rote Faden und auch die Auflösung war dann teilweise etwas unbefriedigend. Allein die Geschichte der Mordfälle und die Geschichte mit den Flussgöttern hätte jeweils in einem eigenen Buch erzählt werden können.

»Also gibt es wirklich Magie«, sagte ich. »Und Sie sind … was denn nun?«

»Ein Zauberer.«

»Wie Harry Potter!«

Nightingale seufzte. »Nein, nicht wie Harry Potter.«

Den Harry Potter-Vergleich kann man übrigens tatsächlich vergessen, denn außer, dass es um Magie geht, haben die Bücher nicht viel gemeinsam. Denn während man in Harry Potter voll und ganz in die magische Welt eintauchen kann (und die Zauberer dort, sind wir ehrlich, doch Muggeln gegenüber enorm weltfremd sind), spielt dieses Buch eben in unserer hochmodernen Welt und die Magie ist nur eine weitere Facette.

Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß bei der Lektüre: Wirklich humorvoll – teilweise gar flapsig – geschrieben, ein moderner Schreibstil, eine sympathische Hauptfigur mit trockenem Humor, eine stimmig kreierte Urban-Fantasy-Welt. Da passte einfach vieles zusammen, so dass die Lücken in der Handlung in den Hintergrund geraten. Zudem möchte ich das Buch unbedingt noch mal auf Englisch lesen, da durch die Übersetzung vermutlich auch so einiges verloren geht:

Wann immer ich mir solche Fragen stelle, hilft es mir, an einen weisen Spruch meines Vaters zu denken: »Verflixt, wer weiß schon, warum dies oder jenes passiert?«

vs.

When I’m considering this I find it helpful to quote the wisdom of my father, who once told me, „Who knows why the fuck anything happens?“

Da hat das Original doch einfach viel mehr Biss und Humor! Jedenfalls kommt im Deutschen die Ironie, mit der die „Weisheit“ des Vaters zitiert wird, für mich nicht wirklich rüber.

Also, ich freue mich schon auf die nächsten Bände, mittlerweile gibt es vier. Dem ersten Band gebe ich 4 von 5 Sternen. Übrigens diente das Buch auch gleich noch der Urlaubsvorbereitung. Getreu dem Titel „Die Flüsse von London“ spielt nämlich auch die Stadt eine nicht geringe Rolle und ich werde sicher an dem einen oder anderen Schauplatz im Sommer an dieses Buch denken müssen, wenn der Held und ich vor Ort sind!

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10 Antworten zu “Buchtipp: Die Flüsse von London

  1. Hey, das Buch habe ich auch gelesen und die zwei darauffolgenden auch. Mochte ich sehr! Aber letztes Jahr war bei mir ohnehin sehr Londonlastig 🙂

    Liebe Grüße, Jessica

  2. Das klingt auf jeden Fall interessant! Und das finde ich deshalb so toll, weil ich dieses Buch schon in der Hand hatte, weil ich eben auch nicht am Cover vorbei kam und dann halt doch einfach nur ein wenig gestarrt habe, aber natürlich niemals dafür Geld ausgegeben hätte 😀

  3. Bin zu ähnlichen Schlüssen gekommen wie du. Witzige Idee, witzig geschrieben, aber irgendwie am Schluss ein bisschen flach. Ich war dann ein bisschen enttäuscht, weil ich dachte, da kommt mehr. Ich wusste allerdings auch nicht, dass er mehrere Bände gibt. Das erklärt es vielleicht 🙂

  4. ui, das ist aber hübsch geworden hier! Nur die Schrift über dem Kommentarfeld ist n bisschen schwer zu entziffern 😉
    Ich kann mein Blogdesign nicht mehr sehen. Überlege aber, bevor ich dann bei blogger daran rumwerkel, zu wordpress zu wechseln? Aber das ist bestimmt voll kompliziert…
    Liebe Grüße, Goldengelchen

    • Danke! Das Design ist noch nicht perfekt – ich bin ja gestern lieber ins Bett gegangen 😉 und ich weiß leider noch nicht, wie ich ändern kann, dass in den Überschriften (z.B. halt die überm Kommentarfeld) alles in Großbuchstaben geschrieben wird. Da ist die Schrift nämlich echt nicht lesbar, grummel.
      Ich mag WordPress, aber viele sind ja bei Blogger. Da war ich noch nie, deshalb kann ich es nicht beurteilen. Was mich da immer nervt ist, wenn jemand kommentiert und man klickt auf den Namen und kommt erst mal auf sein Blogger-Profil und nicht gleich auf den Blog.
      Ich weiß auch nicht, wie der Wechsel so läuft. Aber ich kann dir sagen, dass ich für die Möglichkeit, mein Design anzupassen (also nicht einfach eine andere Vorlage zu nehmen, sondern die Vorlage zu behalten und dort Schriften, Farben etc. zu ändern!), jetzt auch mal was bezahlt habe. 23 Euro im Jahr, das ist zu verkraften denke ich.

  5. Ooooh, neu hier! Hübsch!

    Ich kann auch wieder Lesefortschritt berichten!! Bin ganz stolz auf mich 😉 So richtig echte Bücher beendet!! Schon 3 dieses Jahr! (Wobei das eine schon nahezu fertig war, aber beendet habe ich es gestern :D)
    Dieses Buch, was Du hier rezensierst, ist übrigens eines von…mehreren … die ich demnächst (vielleicht heute?) bekommen 🙂 Ich bin gespannt!

    Liebste Grüße
    Katha

  6. Genau, nur 2 Hunger Games 😉 Und einmal den Pratchett, den ich seit 3 (!!!) Jahren lese (der aber auch nicht so dolle war und mich deswegen auch nicht reizte…)
    Immerhin, durchgelesen!! 🙂
    UND das nächste angefangen!!!
    Sohn hat jetzt „die Tribute von Panem“ , also auf deutsch, angefangen zu lesen o,O

Schreib mir was! Dann freu ich mich!

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