short stories 2014: Leidenschaft

„Fotos gehören zu unseren Blogs genauso, wie ein gutes Buch auf einem Nachttisch, wie langes Ausschlafen am Wochenende, wie eine warme Mütze zum eiskalten Winter, wie ein dicker Klecks Nutella auf eine Stulle! Aber: viel wichtiger, interessanter und persönlicher sind die Geschichten, die wir alle zu erzählen haben. Wir, Andrea und ich, möchten beim Bloggen wieder mehr ans Schreiben und Lesen appellieren und nicht nur Bilder-Gucken.“

Das schreibt Bine auf ihrem Blog zur Aktion „short stories“, die sie gemeinsam mit Andrea in die Welt gerufen hat. Na, wenn das mal nicht zu meinem Artikel von neulich passt, in dem ich mir vornahm, mehr zu erzählen und wirklich zu schreiben im Blog. Zum Februar-Thema Freundschaft werde ich bestimmt noch nachträglich etwas schreiben, aber das aktuelle März-Thema lautet Leidenschaft.

Puh, dachte ich beim ersten Lesen. Leidenschaft? Habe ich überhaupt eine Leidenschaft? Ich habe doch so viele Hobbys… Lesen, Bloggen, Nähen, Basteln, Serien, Geocaching, Fotografieren, Musik… Da könnte ich gar keine Leidenschaft benennen! Also fragte ich den Helden, der gerade auf dem Sofa seiner Leidenschaft – dem XBox-Spielen – nachging: „Was meinst du, was ist meine Leidenschaft?“ Der Held überlegte … und überlegte … und meinte schließlich: „Ich weiß nicht, du machst so viele Dinge!“

Nach dem Lesen der bisherigen Beiträge zum Thema stellte ich fest, dass es vielen so geht. Hobbys, ja, aber Leidenschaft? Nope. Aber während ich so darüber nachdachte, stellte ich fest: Eigentlich versuche ich, alles mit Leidenschaft zu machen. Vor mittlerweile schon 2 Jahren nahm ich mir nämlich etwas vor. Ich war unzufrieden mit meiner Freizeit, obwohl ich doch nur das machte, was mir Spaß machte. Trotzdem fühlte ich mich gestresst – auch dadurch, dass mir eben so viele Sachen Spaß machen. Denn während ich nähte, konnte ich nicht bloggen. Während ich bloggte, konnte ich nicht lesen. Während ich las, konnte ich meine Serie nicht weiterschauen. Und während ich meine Serie weiterschaute, konnte ich mich nicht mit Freunden treffen. Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner.

Ich nahm mir also als guten Vorsatz fürs Jahr 2012 vor, „meine Hobbys positiver zu betrachten„, wie ich es formulierte. Also: Nur das zu tun, worauf ich gerade Lust habe; und dabei kein schlechtes Gewissen haben, weil ich etwas anderes währenddessen nicht tun kann. Und ich muss wirklich feststellen, zwei Jahre später, dass dieser Vorsatz erfolgreich war. Ich achte auf meine Bedürfnisse und mache in meiner Freizeit nur, worauf ich Lust habe (abgesehen selbstverständlich von festen Verabredungen oder anderen Verpflichtungen!). Und das schlechte Gewissen hat sich mit der Zeit – es brauchte etwas Übung – komplett abgestellt.

Tatsache ist, dass man dies auch am Blog und seinen gelegentlichen „Durststrecken“ sehen kann. Wenn ich keine Lust habe, dann schreibe ich eben nicht. Der Blog ist meine Leidenschaft, nicht meine Verpflichtung. Weder verdiene ich Geld damit noch schulde ich irgendwem, dass ich schreibe. Genauso kann es vorkommen, dass ich mehrere Abende hintereinander etwas veröffentliche – weil es mir eben gerade wieder Spaß macht.

Das klingt jetzt vielleicht nicht gerade leidenschaftlich, wie ich das hier beschreibe. Vielleicht wirkt es, als ginge es eher darum, etwas nicht zu tun. Aber das stimmt nicht. Dieser Ansatz, in den Dingen, die mir gerade jetzt Spaß machen, aufzugehen, war für mich der Schlüssel zur Leidenschaft – weil ich mich ganz auf eine Sache konzentrieren kann. Yeah, Abende lang die aktuelle Lieblingsserie schauen, Fischstäbchen mit Vanillesauce essen und mit Fez und Fliege ins Kino gehen? Kein Problem! Die sieben Harry Potter-Bände zum sicherlich achten oder neunten Mal lesen, obwohl man Passagen schon auswendig kann? Kein Problem? Das neu entdeckte Album in Dauerschleife zwanzig Mal hintereinander hören? Kein Problem (solange der Held nicht da ist)! Jetzt-unbedingt-sofort-ganz-schnell einen Hoodie nähen? Kein Problem!

„Zeit, die du mit Vergnügen verschwendest, ist nicht verschwendet“ – über diesen Spruch bin ich irgendwann in den Weiten von Pinterest gestolpert. Und das war wirklich die Lösung. Anstatt abends brummig ins Bett zu gehen, weil ich schon wieder den ganzen Abend im Internet gesurft habe, anstatt etwas Produktives zu schaffen, denke ich mir: Hast du dabei Spaß gehabt?

Ich plädiere also für mehr Leidenschaft bei allem, was wir tun, und weniger Verbissenheit bei allem, was wir nicht tun. Aus diesem Grund lese ich blöde Bücher nicht mehr zu Ende, zwinge mich nicht dazu, langweilige Serien weiterzuschauen oder lasse nicht alles stehen und liegen, um beim RUMS etwas präsentieren zu können. Alles hat seine Zeit, und hier geht es um meine persönliche Freizeit und nicht darum, eventuell die Ansprüche von anderen zu erfüllen. Und dieser kleine, aber feine Unterschied hat mich in den vergangenen zwei Jahren erheblich glücklicher und leidenschaftlicher werden lassen!

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4 Antworten zu “short stories 2014: Leidenschaft

  1. Nele, das ist ein super toller Beitrag! Kann ich 100% unterschreiben (bis auf die Tatsache, dass ich vielleicht noch nicht ganz so weit bin wie du und es manchmal bereue, wenn ich nen ganzen Abend lang nur wahllos rumgesurft habe.
    Mit so vielen Hobbies ist es manchmal echt nicht leicht, andererseits ist es auch echt toll. Richtige Langeweile kennt man nicht.
    Liebe Grüße aus Barcelona (auch so n „Hobby“, das reisen)
    Goldengelchen

  2. Sehr schön geschrieben, das gefällt mir 🙂 Mir geht es da ähnlich, wenn ich Freizeit habe muss ich auch entscheiden, was von den tollen Dingen, die ich mag, ich nun tue. Manchmal klappt es wie du es beschrieben hast, manchmal denke ich aber auch „jetzt hör auf dir das zehnte ding bei Pinterest anzugucken und strick endlich!“ 😀

  3. Ha, das bin total ich! Nele, Du bringst es auf den Punkt (habe ich nicht so geschafft in meinem Beitrag). Alles zu seiner Zeit … genau so mache ich es auch. Allerdings schon manchmal mit einem schlechten Gewissen, wenn meine Schreibfrauen auf mein Geschreibsel warten und ich gerade (leidenschaftlich) mit Frühlingsblumen beschäftigt bin.
    Die Sache mit dem Stress kenne ich auch und das Gefühl, nicht alles zu schaffen, was ich möchte, weil ich gerade wieder ewig im Internet gesurft habe und dabei ganz tolle Sachen entdeckt habe, die ich auch unbedingt machen möchte … 🙂

    Liebe Grüße,
    Vera

  4. Ha! Ein ewiges Dilemma! Geht mir leider oft genau so, zu viel zu tun, so wenig Zeit. In letzter Zeit hab ich mich auch ein paar mal gezwungen, mir mal wieder nen FIlm auf der Couch OHNE Notebook, Smartphone oder Gebastel reinzuziehen. Hatte ich jahrelang nicht gemacht. Aber besser spät als nie, ne?
    Zu diesem respektive dem letzten Beitrag: find ich super, ich lese gerne, was Du zu erzählen hast!
    Grüße
    Nike

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