Höhen und Tiefen des Lese-Alltags

Mit meinem aktuellen Buch komme ich irgendwie nicht so richtig voran. „Die Brautprinzessin“ von William Goldman habe ich mir vor allem deswegen geholt, weil der zugehörige Film im Internet unglaublich beliebt ist und häufig zitiert wird. Wie man weiß, sind die Buchvorlagen aber ja grundsätzlich viel viel toller als die Verfilmungen, also musste zunächst einmal die Lektüre her. Und dass hinten auf dem Buchrücken Campino verspricht, es sei ein „großer Spaß, das zu lesen“, hat mich als alten Hosen-Fan natürlich nicht unbedingt abgeschreckt.

Aber wie gesagt, ich komme derzeit nicht so richtig zum Lesen. Daher wollte ich euch die letzten drei Bücher, die ich tatsächlich geschafft habe, einmal vorstellen. Und wie der Titel schon sagt, war alles dabei: Ein Highlight, ein Flop und ein Hmm-Naja-Buch.

In der Einleitung habe ich behauptet, dass Romanvorlagen grundsätzlich besser als ihre Verfilmungen sind. Tja, was soll ich sagen? Ausnahmen bestätigen die Regel! Wir lieben die Serie Dexter, und in jedem Vorspann sprang mir das „based on the novel ‚Darkly Dreaming Dexter‘ by Jeff Lindsay“ ins Auge. Wenn die Serie schon so gut ist, wie gut wird dann erst die Vorlage sein? Also wanderte der erste Band (es ist nämlich auch eine Roman-Reihe) ins Bücherregal und Ostern kam ich endlich zum Lesen. Und es war… Okay. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich konnte mich die Grundidee schon nicht mehr überraschen. Aber der Roman erzählt die Handlung der ersten Serienstaffel, so dass man sehr gut vergleichen kann. Und: Die Serie ist besser. Nicht nur, dass im Roman die Nebenfiguren so gut wie kaum ausgearbeitet werden. Die Tatsache – Achtungs Spoiler! – dass Buch-Dexter die Hinweise, wie er am Ende zur richtigen Location des Showdowns kommt, träumt, wirkte für mich sehr nach einem faulen Kompromiss, weil dem Autor keine bessere Erklärung eingefallen ist.

Ebenfalls zu Ostern – im Zug auf dem Weg nach Sylt – hatte ich „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“ von Aimee Bender auf dem Programm. Ich fand die Idee wirklich nett – die Protagonistin stellt fest, dass sie Gefühle schmecken kann. Sie schmeckt also sofort, welche Stimmung bei der Zubereitung eines Essens herrschte, und ob die Eier jetzt aus Käfighaltung oder von glücklichen Hühnern kommen. Es hätte ein wirklich nettes Thema werden können – aber es rutschte mir doch zu sehr ins Absurde. Es ging dann nämlich nicht mehr nur um die Protagonistin und ihre Fähigkeit, sondern auch um ihren Bruder. Ich werde jetzt total spoilern, aber ich komme einfach über dieses Ende nicht hinweg und muss mit jemandem darüber reden. 😉 Besagter Bruder verschwindet nämlich häufig auf mysteriöse Weise. Es stellt sich dann heraus, dass er sich in dieser Zeit verwandelt … in einen Klappstuhl. Ja, die Lösung für sein ständiges Verschwinden ist, dass er sich in ein Möbelstück verwandelt. Er verwandelt sich in einen KLAPPSTUHL!!! Wenn das nicht eines der bescheuertesten Dinge ist, die ich je gelesen habe, dann weiß ich auch nicht. Und was die Autorin mir damit sagen wollte, habe ich ebenfalls nicht verstanden.

Aber ich hatte ja auch noch ein Highlight versprochen. Wirklich Spaß gemacht hat mir nämlich die Lektüre von „Ready Player One“ von Ernest Cline! Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, es ist aber auch schon auf Deutsch erschienen. Der Roman spielt im Jahr 2044. Die Welt ist kein schöner Ort mehr, die Ressourcen sind so gut wie zu Neige gegangen, und die Mehrheit der Menschen flüchtet sich in die virtuelle „Oasis“, die sozusagen als Parallelwelt und virtuelle Realität funktioniert. Dann stirbt der Gründer und Besitzer von „Oasis“. Er verspricht sein Erbe demjenigen, der als erster seine gut versteckten „Easter Eggs“ in der Oasis findet. Da er ein riesiger Fan von Filmen, Computerspielen und Musik der 1980er Jahre war, erlebt diese Epoche ein großes Comeback und so ist dieses Buch gespickt von Anspielungen und Themen aus dieser Zeit. Ein großartiges Geek-Vergnügen. Die Idee fand ich super, die Welt ist toll ausgearbeitet (zumindest die virtuelle – in der wahren Welt hätte ich gerne noch etwas mehr Zeit verbracht) und spannend war es auch noch. Da kann ich schon fast darüber hinwegsehen, dass die Story selbst teilweise relativ eindimensional gut gegen böse war, und das Ende somit recht voraussehbar. Trotzdem ein großartiges Lese-Vergnügen!

Und bei euch – was liegt so auf dem Nachttisch? Was waren Highlights der letzten Zeit, und wovon sollte ich unbedingt die Finger lassen? 😉

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25 Antworten zu “Höhen und Tiefen des Lese-Alltags

  1. Was ich so lese verfolgst du ja immer, also kann ich dir da nichts neues erzählen 😀
    Was du dagegen so entdeckt hast, kurios kurios, ich komme tatsächlich nicht über den Klappstuhl hinweg. Warum? Ich kann mir quasi vorstellen, wie du vor dem Buch gesessen und nach der versteckten Kamera gesucht hast. Sowas seltsames, also wirklich.
    Dexter kenne ich nun so gar nicht, und so empfehlenswert klang das Buch jetzt nicht. Und mit Dystopien, uha, das war mal so ein Schulthema, da ists mir dann auch auf die Näää-Liste gerutscht. Trotzdem eine nette Zusammenfassung deiner Erlebnisse!

    • Echt, du kennst Dexter gar nicht?! Die Serie ist so großartig und wenn du die noch nicht kennst, ist das Buch sicher auch super! Dexter ist nämlich Serienkiller, aber da sein Vater (ein Polizist) das früh erkannt hat, hat er es in „richtige“ Bahnen gelenkt und Dexter bringt jetzt nur Leute um, die es verdient haben… Und man entwickelt direkt unglaubliche Sympathien für diesen Serienmörder und der Held und ich saßen teilweise auf dem Sofa, fieberten für ihn mit (er hatte einmal eine psychische „Blockade“ und wir saßen dann da: „Hoffentlich schafft er es dieses Mal, zuzustechen… Der arme…“) und dann schauten wir uns an und dachten uns… Was machen wir da gerade eigentlich? 😀

      • Naja, vielleicht muss ich mir das mal näher anschauen. Aber nicht, dass wir alle Nachts mit dunklen Umhängen durch die Straßen streifen und Selbstjustiz üben! 😀

  2. *schallendlach*
    Wie kommt man denn dazu, jemand in einen Klappstuhl zu verwandeln? Die Autorin hat schon eine seltsame Phantasie. Ich glaube nicht, dass ich das Buch lesen möchte. 🙂

    Liebe Grüße,
    Vera

  3. Hi!
    Die Idee mit dem Klappstuhl ist ja wirklich echt schräg!

    Ein Buch, das ich wirklich sehr gerne gelesen habe auch wenn es schon älter ist:
    „Hexenhaus und Beutelmaus“ von Carolyn Cushman.
    (Blöder Titel – Lustiges Buch! Im Original: „Witch and Wombat“ 🙂 )
    – Es geht um die „klassische Märchenwelt“ denen durch Computerspiele und Actionfilme die „Anhänger“ ausgehen, was für das Land eine große Bedrohung darstellt. Man beschließt, um das Ganze abzuwenden und wieder mehr Kids anzulocken, so zu tun, als wäre man ein Freizeitpark in dem sich die Leute verkleiden und Abenteuer erleben können.
    Die allererste Gruppe soll eine mehr als unwillige Hexe durch den „Park“ führen (- aber was tut man nicht alles um endlich ein vernünftiges Hexenhaus zugewiesen zu bekommen. 🙂 )
    Das Buch ist sehr witzig geschrieben, teilweise ziemlich spannend und die Anspielungen auf Role-Play-Games die dann mit der „echten Realität“ kollidieren sind sehr lustig.

    Gibt es bei Amazon noch bei Drittanbietern, sonst leider vergriffen.

    LG,
    Viola

    • Hey Viola, das klingt echt interessant! Danke für den Tipp! 🙂

      • Bitte, Bitte! Gerne geschehen! 🙂
        Etwas Absurdität ist übrigens auch mit drin… Ich sag´ nur „Mistkäfer“! 😉

        Ich habe den Film zum Buch „die Brautprinzessin“ auf DVD und find ihn wirklich gut gemacht! Schöne Situationskomik, ein netter Hauch Romantik und tolle Ausstattung. – Ich mag ihn wirklich sehr!!
        Ich hatte den Film zuerst gesehen und erst dann erfahren, das es dazu eine Buchvorlage gibt. Diese mochte ich allerdings dann nicht so sehr wie die Verfilmung.
        LG,
        Viola

  4. Für die Lektüre der Brautprinzessin sollte man vorher wissen, dass S. Morgenstern und William Goldman dieselbe Person sind. Er beschimpft sich also die ganze Zeit selber, was das Buch meiner Meinung nach herrlich absurd macht. (Entschuldige, Helen!) Hat zumindest bei mir das Lesevergnügen deutlich gesteigert. Den Film kenne ich gar nicht. Kommt die Rahmenhandlung dabei vor, oder nur die Morgenstern-Teile?
    Lieben Gruß,
    Asuka

    • Huhu, ja das ist mir durchaus klar. 🙂 Ein bisschen erinnert es mich an Walter Moers und Hildegunst von Mythenmetz, die sich zwar in den „von Moers übersetzten Büchern“ selbst nicht wirklich in die Quere kommen, aber beide Facebook-Accounts haben und sich dort gegenseitig beharken – ich könnte mich jedes Mal schlapplachen! 😀
      Den Film kenne ich ja auch noch nicht – ich wollte ja zunächst mal das Buch lesen! 😉

  5. Känguru Offenbarung. Aber Marc-Uwe Kling muss als Hörbuch 🙂

    • Oh, ich mag eigentlich Hörbücher (die kann man gut beim Radfahren hören), aber irgendwie hab ich nie welche… Irgendwie komme ich nie auf den Gedanken, mir die zu kaufen!

  6. Ich empfehle mal einen Murakami zu lesen, dann wunderst Du Dich über Klappstuhlverwandlungen nicht mehr.
    (Ich liebe Haruki Murakamis Bücher.)

  7. Ich finde ja, das mit dem Klappstuhl klingt nach einer grandiosen Idee! 😀
    Ich habe neulich – wie schon gesagt – Hector und die Suche nach dem Glück gern gelesen, aber auch z. B. “tschick”. Auch ganz süß. Auch “Ausweitung der Kampfzone” von Houllebecq hat mir gut gefallen. Aber so richtige Kracher hatte ich eigentlich schon länger nicht mehr.

    • Tschick fand ich auch gut (aber nicht den Überknaller, als der es mir verkauft wurde). Ein Hector-Buch hab ich auch mal gelesen, das fand ich doch eher sehr klischeekitschig. Das dritte klingt seeeehr nach „Literatur“… Oder?

  8. Ich hatte große Freude an „Sehnsucht ist ein Notfall“ von Sabine Heinrich. Es ist ein Buch über die Sehnsucht nach der Sehnsucht…
    Der EInstieg ins Buch gefiel mir nicht so sehr, weil es sehr nach typischem Mädels/Frauenroman rüberkam. Dann entwickelte es sich aber sehr erfreulich. Evas Oma trennt sich mit über 80 Jahren vom Opa und will in ihre erste eigene Wohnung ziehen.Eva ist eine junge Frau in deren Leben sich auch Einiges auf den Kopf stellt und so brechen beide auf in einen Roadtrip nach Italien. Die Dialoge und die Beziehung zwischen Oma und Enkelin haben mir sehr gut gefallen!
    Außerdem habe ich auf deinen Tip hin „Die Flüsse von London“ gelesen und bin da grade im 2. Band. Der gefällt mir bisher (nach etwa der Hälfte der Seiten) noch besser als der Erste.

    • Klingt wild! Werde ich mal auf die (lange, lange) Liste setzen!
      Und es freut mich, dass meine Tipps auch gelesen werden! 😀 Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, das zweite Buch zu lesen. Aber ich habe mir die ganze Reihe im Schuber zum Geburtstag gewünscht. 🙂

  9. Klappstuhl??? Ich lach mich tot! 🙂
    Jetzt denke ich grade, dass ich alleine deswegen das Buch lesen sollte 🙂
    Ich hab jetzt Rumo durch… Schade, dass es vorbei ist!!
    Liebe Grüße!

    • Ich bin ja für absurde Ideen durchaus zu haben, aber in diesem Buch passte das einfach gar nicht. 😉
      Rumo war wunderbar, oder? ♥ Die anderen Moers-Bücher mag ich auch, nur Ensel und Krete und Der Schrecksenmeister waren nicht sooo die Überflieger. Ich freue mich schon total auf die Fortsetzung vom Labyrinth der träumenden Bücher, die im Herbst erscheinen soll.

  10. Vielen Dank für deinen Bücherpost. Jetzt hab ich noch ein Buch, dass ich meinem Mann zum Geburtstag schenken kann 🙂

    Klappstuhl? KLAPPSTUHL?! WTF!? Es gibt Bücher, die es nicht Wert sind, auf Papier gedruckt zu werden

  11. Ready Player One fand ich auch sowas von toll! Ich hab bestimmt nur die Hälfte der Anspielungen verstanden, aber egal. Tolles Buch! Das mit dem Zitronenkuchen hatte ich auch angefangen und hab es nach der Hälfte zur Seite gelegt. Irgendwie nicht so meins. Aber jetzt brauche ich es auch nicht mehr zu Ende lesen. Ein Klappstuhl…also wirklich!
    Mein spontaner Tipp: die Bücher von Ben Aaronovitch. Der hat früher auch Doctor Who Folgen geschrieben und die Reihe um Peter Grant liest sich ein wenig wie Harry Potter für Erwachsene. Wirklich nett!

    Liebe Grüße, Jessica

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