London: Grumpy Queen, Street Art und Kaffee-Erlebnisse

Unser vierter Tag in London war von Gegensätzen geprägt. Als wir unseren Urlaub buchten, achteten wir nicht so sehr auf Veranstaltungen vor Ort als vielmehr darauf, wie er mit unseren Kollegen und anderen Terminen zusammenpasst. Direkt nach der Buchung fiel uns aber auf: Hey Moment, ist in dieser Woche nicht das zweite Juni-Wochenende eingeschlossen?

In der Tat war es das, und das bedeutet: Trooping the Colour! Die Queen feiert Geburtstag, und wenn man da schon mal in London ist, nimmt man das natürlich auch mit. Das war jedenfalls meine Meinung, der Held musste noch etwas überzeugt werden.

london-troopingthecolour

Aber tatsächlich fanden wir uns am Samstagmorgen ganz in der Nähe des Paradeplatzes (Horse Guards Parade) wieder, mit bester Sicht auf den Platz. Sehen die kleinen Puschelmützen nicht aus wie kleine Zinnsoldaten, so aus der Entfernung und in der Masse?

london-bobby

So eine Parade dauert ja ein Weilchen, und außerdem will man rechtzeitig da sein. Wir stellten uns schon morgens nach dem Frühstück hin, so dass wir es tatsächlich in die erste Reihe schafften (Dabei waren wir nicht um 7 Uhr dort! Sondern vielleicht um 9!). Nur ein-zwei Kinder haben wir noch vor uns gelassen, damit sie etwas sehen konnten. Jedenfalls standen wir dadurch nun einmal ziemlich lange herum, und ich habe mich eher damit beschäftigt, den Bobby direkt vor uns in allen Situationen zu fotografieren. Dabei sind ein paar sehr schöne Bilder herausgekommen, aber ich will jetzt hier keine Polizisten-Fotoreihe veröffentlichen. 😉

london-queen

Irgendwann war es dann aber doch soweit, und die Queen fuhr an uns vorbei. Ich bin ja kein Royalist, aber das war schon irgendwie sehr cool, so nah an ihr dran zu sein. Sie schaute die ganze Zeit übrigens ausgesprochen brummig, weshalb sie bei uns zuhause jetzt nur noch „Grumpy Queen“ genannt wird. Ist das nicht faszinierend und traurig zu gleich, wie winzig sie da in ihrer riesigen Kutsche sitzt?

london-kateundco

Einige andere Familienmitglieder konnten wir nur am Fenster entdecken. Persönlich ging es uns aber bald eher wie dem kleinen Mädchen auf der rechten Seite, die sich vermutlich auch nur fragte „Wann gibt’s endlich Geburtstagskuchen?“ Auch „Trooping the Colour“ gehörte also zu den Erlebnissen, die ich nicht versäumen wollte, die aber auch nicht unbedingt wiederholt werden müssen.

london-flypast

Der Held war allerdings natürlich von den Uniformen fasziniert, und am Ende vom „Fly Past“, bei dem die Royal Air Force ihre Flugzeuge präsentiert. Da fand ich ja hauptsächlich die mit der bunten Farbe toll…

Nach der Parade wollten wir vor unserem nächsten Termin noch schnell einen Kaffee trinken. Wir hatten die Wahl zwischen einem Starbuck’s und einem fancy Coffeeshop, dem Shoreditch Grind. Natürlich überzeugte ich den Helden, dass man diese coolen Londoner Läden un-be-dingt ausprobieren müsste! Und so haben wir wieder etwas gelernt (Achtung, Fun Fact!). Und zwar: Es gibt einen Grund, dass es Latte Macchiato heißt. Latte heißt nämlich Milch. Und wenn man nur Macchiato bestellt, bekommt man – einen Macchiato. Also eine Art Espresso. Ich weiß nicht, ob ihr’s schon wusstet, aber Kaffee ohne Milch geht bei uns überhaupt nicht. Gar nicht. Auch nicht für 2 Pfund 70.

london-coffeeshop

Aber ich hatte ja Kontrastprogramm versprochen, und das sollten wir auch haben. Nach all dem Prunk und den Pferden und Uniformen und natürlich der Queen hatten wir nämlich noch eine Führung gebucht! Es ging nach Shoreditch, einem Stadtteil im Nordosten Londons. Dort hatten wir uns für eine der „Unseen Tours“ angemeldet. Diese Touren werden von Obdachlosen oder ehemaligen Obdachlosen geführt, die sich natürlich besonders gut in „ihrem“ Stadtteil auskennen und viele Geschichten zu erzählen haben; und die durch die Führungen natürlich auch ein gewisses Einkommen haben, das sie sonst nicht hätten. Für uns hatte ich die Tour „Street Art, Street Cred“ ausgewählt.

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Nach unserer 4-Mann-Harry Potter-Führung am Abend zuvor waren wir gespannt, wie viele Leute auftauchen würden. Tja, Überraschung: nur wir. Also gab Henri, oben zu sehen, uns eine Privatführung. Das war dann zu gleichen Teilen cool und komisch. Komisch, weil es zum einen sofort auffiel, dass wir keine Ahnung vom Thema hatten. Ich finde Street Art cool und interessant, aber wir kennen uns beide gar nicht aus (der Held kannte nicht mal Banksy; aber das haben wir Henri verschwiegen, der Banksy übrigens persönlich kennt und nicht besonders freundlich auf ihn zu sprechen war). Aber hey, wir sind zum Lernen hier und so erzählte uns Henri wirklich eine ganze Menge. Mittlerweile kennen wir also immerhin zwei Street Art-Künstler: ROA und Pure Evil! ROA, einem belgischen Künstler, konnten wir sogar bei der Arbeit zusehen:

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Auch sonst hatte Henri viel zu erzählen. Persönlich fand ich es spannend, aber auch etwas seltsam, mit einem Obdachlosen durch die Straßen zu gehen. Ich wusste vielfach nicht genau, wie ich jetzt auf seine Witze zu diesem Thema reagieren sollte und ich fühlte mich etwas unbehaglich, wenn er mir unterwegs die besten Restaurants zeigte und im gleichen Atemzug sagte, dass er dort natürlich nie essen ginge, weil es einfach viel zu teuer sei. Das ist beileibe keine Kritik an Henri, der das niemals als Ziel hatte und auch wirklich nicht darauf aus war, Mitleid zu kassieren. Im Gegenteil. Aber wie viel Trinkgeld gibt man jemandem, der abends keinen Schlafplatz hat?

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Solche Fragen gingen mir durch den Kopf und auch im Nachhinein hat mich das Thema noch länger beschäftigt. Gerade das fand ich an der Tour aber dann auch so besonders, und es wurde sicherlich noch einmal sehr dadurch verstärkt, dass wir eben die einzigen beiden Teilnehmer waren und so auch wirklich auf Henri reagieren mussten, statt uns vielleicht auch mal im Hintergrund zu halten. Dadurch entstand dann aber eben auch beispielsweise eine kleine Diskussion über die EU, und es ergaben sich teilweise wirklich spannende Gespräche, die wir mit einer größeren Runde sicherlich nicht hätten führen können. (Einige seiner Verschwörungstheorien habe ich aber trotzdem stillschweigend übergangen.)

london-shoreditch-streetart

Ich kann euch die Tour nur ans Herz legen. Es ist kein „Armutstourismus“, es geht nicht mal um die Obdachlosigkeit selbst bei den Touren, das Thema wurde nur am Rande angeschnitten. Also nichts für Sensationslustige, sondern vielmehr etwas für Leute, die die Stadt einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen möchten. Achja, (ziemlich) gut Englisch sollte man zumindest für Henri allerdings können. Ich musste mich teilweise wirklich sehr konzentrieren, um alles gut zu verstehen.

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Übrigens geht es bei der Tour nicht nur um Street Art, sondern auch um Friedhöfe, Kirchen, versteckte Geheim-Gefängnisse und das wirklich wahre erste Theater von Shakespeare. Und man sieht sogar Eichhörnchen. What’s not to love about this?

london-sonnenuntergang

Und wo wir gerade schon mal bei „Kontrastprogramm“ waren: Abends hatten wir noch eine Führung! Erwähnte ich schon, dass ich die Führungen nicht alle selbst ausgesucht hatte, sondern teilweise zum Geburtstag bekommen hatte? Sonst hätten wir vermutlich nicht so viele besucht. Aber sie waren alle spannend, keine Frage. An diesem Abend wartete noch der „Ghost Walk“ auf uns. Kontrastprogramm war das insofern, als dass an dieser Führung ungefähr 40 Leute teilnahmen. Damit hatten wir schon gar nicht mehr gerechnet! Aber so wurden wir im wunderschönen Abendlicht erneut durch die Stadt geführt und hörten uns die spannendsten Geistergeschichten von zwei sehr engagierten und sympathischen* jungen Männern an.

london-eye

Nach dieser Tour habe ich mich übrigens sehr für meine Mit-Touristen geschämt, denn wir waren die einzigen in dieser riesigen Runde, die Trinkgeld gaben. Ist das nicht üblich? Aber wir haben es trotzdem gern gemacht! Anschließend fuhren wir dann übrigens nur noch heim und ich musste die Tardis noch einmal in der Dunkelheit fotografieren. Hach! Könnte ich sie nur mitnehmen! 😉

london-tardisbynight

* und attraktiven, aber psst!

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4 Antworten zu “London: Grumpy Queen, Street Art und Kaffee-Erlebnisse

  1. Oh cool, ROA war vor Ort <3?! Da hätte mir mein Trip zur Brick Lane doch glatt auch noch mal besser gefallen…

  2. Toller Bericht und ich bin ganz neidisch das ihr ROA bei der Arbeit gesehn habt. Ich habe auch schon mal ueber ihn gepostet (http://ganzundgarn.blogspot.de/2014/01/beauty-is-where-you-find-it-92.html) Vielen lieben Dank fuer den Tour Tip mit der Streetart, interessiert mich sehr, obwohl ich schon eine riesen Sammlung aus London habe, aber so etwas Hintergrundwissen schadet nie. Liebe Gruesse Martina

  3. Wiedermal ein sehr netter Bericht 🙂 Ich mag die Kaffeebilder 😀

  4. ROA bei der Arbeit, wie cool! Diese Art der Stadtführung klingt interessant, das gucke ich mir noch mal an. Und den Ghost Walk mit den sympathischen jungen Männern auch *g* Und der Polizist…hach, nett 😉 Oh je, ich träume gerade schon wieder von London….danke dafür 😉

    Liebe Grüße, Jessica

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